Karfreitags-Raffälä in Alpnach

Statt Glockengeläut ertönen vor Ostern in einigen katholischen Gemeinden die Rätschen. Kinder ziehen mit hölzernen Instrumenten durch die Strassen und rufen die Menschen zum Kirchenbesuch auf.

Karfreitagsratsche aus Rottenburg am Neckar, 19. Jahrhundert.
Bildlegende: Karfreitagsratsche aus Rottenburg am Neckar, 19. Jahrhundert. Wikimedia / Andreas Praefcke

Von Karfreitag bis Ostern schweigen in vielen katholischen Kirchen die Glocken aufgrund einer alten Überlieferung. Diese sagt, die Glocken-Klöppel seien nach Rom geflogen, denn in der Zeit der Grabesruhe Christi sei Geläut nicht angebracht. Damit die Gläubigen trotzdem Andachts- und Gebetszeiten nicht vergassen, wurden sie durch das Geräusch von Ratschen und Klappern daran erinnert.

Raffälä in Alpnach tönt wieder echt

Der Osterbrauch wird erstmals 1738 in der Geläutordnung vom Kloster Engelberg erwähnt. In Alpnach wird er heute wieder intensiv gepflegt. Das Karfreitagsraffälä vom Kirchturm war in Alpnach aber über 20 Jahre hinweg nicht mehr echt. Die Klänge stammten von Tonaufnahmen, verstärkt mit Lautsprechern.

2008 wurde die alte Rätsche vom Kirchendach heruntergeholt und fachmännisch restauriert. Seither ist sie am Karfreitag wieder im Einsatz. Die Raffälä ruft die Leute zum Gottesdienst zusammen und beklagt mit ihrem hölzernen Geklapper den Tod Christi.

Autor/in: Kurt Zurfluh