Schwiizer Reis: Klare Stadt zum Durchatmen

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Altstädte, bei den Touristen so beliebt, sind verwinkelte, unordentliche Orte. Dabei gibt es auch moderne Städte mit klaren Linien zu entdecken. Zum Beispiel La Chaux-de-Fonds. Reisereporter Dres Balmer war unterwegs in der drittgrössten Stadt der Westschweiz.

Baulinienplan von La Chaux-de-Fonds, 1841 von Charles-Henri Junod entworfen.
Bildlegende: Baulinienplan von La Chaux-de-Fonds, 1841 von Charles-Henri Junod entworfen. Wikimedia

Feuersbrünste haben auch etwas Gutes: Sie lassen düsteren Gerümpel in Flammen aufgehen, schaffen Raum für Neues. Genau das geschieht 1794, als das Uhrmacherdorf La Chaux-de-Fonds niederbrennt. Danach packt der Ingenieur Charles-Henri Junod den Neubau einer Stadt der Zukunft an, die alles Verwinkelte und Unordentliche überwindet. Die Bedingungen sind günstig. Weit und unverbaut ist das Hochtal, kühn und klar das Vorhaben. Junod kann auf freiem Feld wie ein Pionier seinen Plan zu verwirklichen.

Junod legt die Stadt in rechtwinkligem Raster an, mit breiten Strassen, ausdehnbar nach allen Seiten, und so in die Landschaft gebettet, dass die Wohnungen nach Süden zum Sonnenlicht hin orientiert sind. Davor sind die Gemüsegärten, dazwischen viel Licht und Luft.

L'Eplattenier und Corbusier

La Chaux-de-Fonds ist eine gesunde Stadt. Junods Pläne werden in den folgenden Jahrzehnten dank der erfolgreichen Uhrenindustrie in atemraubendem Tempo verwirklicht, und im Lauf des 19. Jahrhunderts verachtfacht sich die Einwohnerzahl. Mit der guten Wirtschaft einher geht ab 1900 eine kulturelle Blüte. In der städtischen Kunstgewerbeschule wirkt Charles LEplattenier. Er bringt einen Jugendstil eigener Prägung, den style sapin, ins industrielle Design und ins Stadtbild: Uhren, Glasfenster, Geländer und Säulen aus Eisen kann man auch im 21. Jahrhundert bewundern. Einer seiner Schüler heisst übrigens Charles-Edouard Jeanneret, der später mit dem Künstlernamen le Corbusier ein berühmter Architekt wird.

Le Corbusier? Seine ersten Bauwerke stehen in La Chaux-de-Fonds, man kann sie besichtigen, und gleichzeitig auf 1000 m. ü. M. die drittgrösste und überraschendste Stadt der Westschweiz entdecken.

Autor/in: Dres Balmer, Redaktion: Christine Gertschen