Willie Nelson: On the road again!

Musik & Geschichten

Willie Nelson ist eine der schillerndsten Figuren aus der amerikanischen Country- und Western-Szene. Der Mann mit Schalk in den Augen und langem, grau-blondem Haar feiert heute den 80. Geburtstag. Jürg Moser würdigt ihn in einem musikalischen Porträt.

Auch mit 80 Jahren noch in Schwung: Willie Nelson auf der Bühne des Frank Erwin Centers in Austin, Texas (17. Oktober 2011).
Bildlegende: Auch mit 80 Jahren noch in Schwung: Willie Nelson auf der Bühne des Frank Erwin Centers in Austin, Texas (17. Oktober 2011). Keystone

Das Leben von Willie Nelson lässt sich grob in zwei Abschnitte teilen, die Zeit vor und in Nashville und die Zeit danach. Aufgewachsen ist Willie Nelson bei seinen Grosseltern. Von seinem Grossvater hat er als Sechsjähriger seine erste Gitarre geschenkt bekommen. Als Dreizehnjähriger spielte er bereits in einer eigenen Band und bis Ende der 1940er Jahre in den lokalen Honky Tonks. Honkey Tonk ist in den USA eine geläufige Bezeichnung für eine etwas herunter gekommene Kneipe oder Bar.

Das bürgerliche Leben

Nach der Militärzeit in Korea heiratet Willie Nelson eine Cherokee-Indianerin. Als Ehemann und Familienvater arbeitet er als Autoverkäufer, Hauswart oder Lehrer an der Sonntagsschule. Doch mit dem bürgerlichen Leben tut er sich zunehmend schwer. Er macht die Musik zu seinem Beruf, schreibt für andere Interpreten Lieder.

150 Dollar für Songrechte

1959 zerbricht Willie Nelsons Ehe, der junge Musiker und Songschreiber zieht von Texas nach Nashville, mit gerade mal 150 Dollar in der Tasche. Die hat er für den Verkauf seiner Rechte am Song «Night life» erhalten. Später hätte er sich dafür die Haare raufen können, «Night life» wurde bis heute von über 70 verschiedenen Interpreten gesungen oder gespielt und wurde über 30 Millionen Mal verkauft.

Bruch mit Nashville

Nashville war schon zu jener Zeit Hochburg für Plattenfirmen und Studios im Bereich Country-Music. Die Macht der Firmen und Produzenten war gross, Interpreten und Songschreiber hatten sich nach ihren Wünschen zu richten. Das hat sich Willie Nelson nicht allzu lange bieten lassen. Nachdem 1970 sein Haus abbrennt, kehrt er Nashville definitiv den Rücken und bricht mit der gesamten Musikindustrie. Dieser Schritt läutet Phase 2 in seinem Leben ein. Willie Nelson wird zum Mittelpunkt der sogenannten «Outlaw»-Bewegung, die sich dem Musikdiktat nicht mehr unterwerfen will.

Die «Gesetzlosen» auf Erfolgskurs

Vor allem die Jungen finden Gefallen an der «Outlaw»-Music, die etwas rauer und rockiger ist. Dass sie sich ausserdem gut verkaufen lässt, führt im etablierten Nashville zu einem Umdenken.

Willie Nelson hat sich seine Unabhängigkeit bewahrt, dafür haben ihm seine Fans und die ganze Country-Szene Anerkennung gezollt. Ein gutes Beispiel für seine eigene Art von Country Music ist der Nummer-1-Hit «On the road again» von 1980.

Moderation: Christian Klemm, Redaktion: Jürg Moser