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Aktuell WEF-Schmähpreise gehen an Gazprom und Gap

Zwei Konzerne sind am WEF mit dem unwürdigen «Public Eye Award» ausgezeichnet worden. Die Jury erkor den US-Textilkonzern Gap zum Sieger. Der Publikumspreis ging an den Erdgasförderer Gazprom. Warum solche Grosskonzerne Kritik ernten und wie sie in der Weltwirtschaft agieren, zeigt «SRF mySchool».

Gazprom erhielt am World Economic Forum WEF in Davos den Publikumspreis des «Public Eye Award». Rund 280 000 Menschen wählten den russischen Erdgasförderer zum Sieger eines Wettbewerbs, den kein Unternehmen gewinnen will. Der Jury-Preis ging an das US-Textilunternehmen Gap. Die Vorwürfe gegen die beiden Grosskonzerne sind erheblich.

  • Gazprom bohrt in der Arktis nach Erdöl. Die Bohrungen seien dort aufgrund extremer Bedingungen besonders riskant, teilte der Preisverleiher Greenpeace mit. Diesen Herausforderungen begegne das Unternehmen mit einem unzureichendem Notfallplan und veralteter Technik.
  • Gap weigert sich bis heute, trotz eines tragischen Industrieunglücks in Bangladesch im Mai 2013, das Abkommen «Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh» zu unterzeichnen. Damals kamen über 1000 Menschen ums Leben.
  • Als die Gazprom-Bohrinsel Kolskaya im Dezember 2011 kenterte, starben 53 Mitarbeiter. Im selben Jahr verursachte der Konzern 872 Ölunfälle an Land – mehr als jeder andere Ölkonzern der Welt.
  • Gap untergräbt die Bemühungen für wirksame Reformen in der Textilindustrie. «Die Arbeitnehmer haben kein Recht, gefährliche Arbeiten zu verweigern», sagte die Bangladescher Arbeiteraktivistin Kalpona Akter vor den Journalisten in Davos.
  • Gazprom geniesst offensichtlich den Schutz der russischen Regierung. Bei der Erstürmung einer Bohrinsel in der Barentssee wurde ein Greenpeace-Schiff von der Küstenwache beschlagnahmt. Die Besatzung – darunter ein Schweizer – kam erst nach drei Monaten wieder frei.
Legende: Video Trailer: Gas Monopoly abspielen. Laufzeit 1:31 Minuten.
Vom 16.10.2013.

«SRF mySchool» präsentiert im Zusammenhang mit dem Gas-Giganten Gazprom den Film «Gas Monopoly». Er zeigt die Reise eines Journalisten an die neuralgischen Punkte des internationalen Gasgeschäfts und warum Europa nach wie vor abhängig von Gazprom ist.

Die Reihe «Die unbarmherzigen Samariter» thematisiert eines der wichtigsten Traktanden der Weltpolitik – die Kluft zwischen Arm und Reich. Sie zeigt wie rund eine Milliarde Menschen weltweit mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen. Spenden scheinen dabei nur ein Tropfen auf den heissen Stein zu sein.

Public Eye Award

Public Eye Award

Seit 2005 verleihen Nichtregierungsorganisationen am WEF den Public Eye Award an Unternehmen, die in ihren Augen verantwortungslos handeln. Zu den «Gewinnern» vergangener Jahre gehören auch regelmässig Firmen aus der Schweiz – so beispielsweise Nestlé, Novartis, Glencore, die Bernischen Kraftwerke (BKW), Roche und Syngenta.