Die klugen Raben

Warum Raben besser sind als Menschen glauben

Früher frassen sie an den Leichen am Galgen oder auf dem Schlachtfeld, heute fressen sie die Felder der Bauern leer: schwarze Vögel, die Unglück und Tod bringen - der Ruf der Rabenvögel könnte kaum schlechter sein. Zu Unrecht, wie «NETZ Natur» zeigt. Rabenvögel sind intelligent, sozial und vor allem unglaublich erfolgreich.

Seit Jahrtausenden haben sich Menschen mit Raben und Krähen beschäftigt. Beweise dafür sind in den Mythologien der unterschiedlichsten Kulturen zu finden. Der Germanengott Wotan hatte stets zwei Raben dabei, die Gedächtnis und Gedanken symbolisierten, und bei einigen Indianerstämmen gilt der Kolkrabe als Schöpfer der Welt. Raben hatten einst ein positives Image - mit den blutigen Kriegen und Schlachten aber bekamen sie ein negatives. Wo immer die Toten liegen blieben, gab es ein aus menschlicher Sicht grausiges Festessen für die Raben - und bald schon sind aus den Göttervögeln Teufelstiere geworden.

Rabenkrähe, Saatkrähe, Kolkrabe, Elster und Eichelhäher, aber auch Turm- und Alpendohlen gehören in die Rabenverwandtschaft. Sie alle sind neugierig, gelehrig und sehr intelligent und gehen teilweise äusserst geschickt mit Werkzeugen um. Alle einheimischen Arten leben in festen sozialen Strukturen - oft sind sie ihrem einmal gewählten Partner ein Leben lang treu. Ausdrücke wie «Rabeneltern» oder «Rabenbrut» müssten als Kompliment aufgefasst werden, denn auch gegenüber ihrem Nachwuchs zeigen sich Rabenvögel äusserst fürsorglich.

Als Schädling an landwirtschaftlichen Kulturen oder gar als viehtötendendes Ungeheuer wurde der Kolkrabe dargestellt. Dieses Image wurde ihm zum Verhängnis - er wurde gejagt und war um 1900 im Mittelland und im Jura verschwunden. Gerade noch rechtzeitig erkannte man, dass Kolkraben nicht skrupellose Killer, sondern nützliche Gesundheitspolizisten sind - sie beseitigen Aas und wenn sie töten, dann vor allem kranke oder schwache Tiere. Deshalb stehen die grossen schwarzen Vögel heute unter Schutz. Nicht Kolkraben, sondern Rabenkrähen kommen den Bauern heute in die Quere; sie klagen, dass frisch angesäte Maisfelder leer gefressen würden. Um die zunehmende Zahl der Rabenkrähen in der Kulturlandschaft zu dezimieren, versuchte man sie zu jagen oder zu vergiften. Es erwies sich als nicht einfach, die Vogelschwärme von den Feldern zu vertreiben, doch neuerdings zeigen sich Beizstoffe für das Saatgut als sehr wirksam gegen Krähenschäden.

Raben und ihre Verwandten haben sich mit ihrer Intelligenz, ihrem Witz und ihrer Neugierde in erstaunlicher Weise dem Menschen angepasst und behaupten sich in der Gegenwart sehr erfolgreich. «NETZ Natur» erzählt faszinierende Rabengeschichten: Etwa wie sie einem Journalisten ins Bier kackten. Oder wie sehr Wilhelm Busch Recht hatte und wie Raben lügen. Eine Sendung über die Nachfahren von Hans Huckebein, die den Menschen immer wieder ein Schnippchen schlagen und denen man doch nicht wirklich böse sein kann.

NETZ NATUR