Sei ein Frosch - im Nationalpark!

Neue Perspektiven im Schweizerischen Nationalpark

Der Titel ist Programm - für einmal sollen die Menschen hautnah die Froschperspektive im eiskalten Tümpel erleben - oder diejenige der Ameisen im Nest, der Forellen im Bergbach oder die der Murmeltiere in der Winterhöhle. Und das alles in einem Lebensraum der's in sich hat: Ungewöhnlich tierische Aus- und Einsichten im Schweizerischen Nationalpark.

In einer kuscheligen Kinderstube fiept es. In einer kleinen Höhle, zwei Handbreit tief im Boden, strampeln sich drei kaum behaarte Junge zu den Zitzen von Mutter Alpenmaus, die soeben vom Streifzug in der Dämmerung zurück kommt. Gleich über ihr im ersten Morgenlicht, dreht ein Hirschkalb mit weissen Bambi-Punkten auf dem Fell übermütig ein paar Runden, steht plötzlich still und lauscht und rennt dann wieder los nach einem Bocksprung. Gelassen äst die Mutter nebenan mit ein paar Anderen am Waldrand. Über der Szene fliegen Kolkraben, unterwegs zum Lawinenkegel, wo eine tote Gämse unter dem Schnee hervorschmilzt. Im Bach im Tal taucht derweil eine Wasseramsel, rudert zum Bachgrund und pickt in der Strömung unter Wasser, wo kaum das Eis geschmolzen ist, Insektenlarven von den Steinen.

Über Hirsche und Gämsen, Steinböcke oder Murmeltiere gibt es viele Filme. Auch sie kommen in NETZ NATUR über den Schweizerischen Nationalpark nicht zu kurz. Doch diesmal geht es um die neue Perspektive - den Blickwinkel der Tiere. Bei den Ameisen im Nest, im Labyrith der Lärchennadeln dringt eine spezielle Kamera zur Kammer mit den weissen Larven vor.

Oder in die Winterhöhle, wo sich die Murmeltiere fast bewegungslos im Winterschlaf für Monate zusammen kuscheln. In der Forellenperspektive zwischen die Forellen, wenn sie in der Strömung eines Baches um die Weibchen kämpfen und schliesslich in den Kies ablaichen. Wie es sich anfühlt, wenn ein Regentropen einen Käfer trifft, der eben mal so gross ist wie das Kleintier selbst.

Die Sendung geht ganz nahe an Bekanntes und zeigt es völlig neu. Nicht nur Spektakluäres oder sexy Szenen, sondern ganz normaler Alltag der Natur, der überall und immer abläuft, am Land und in der Luft, unter dem Boden und im Wasser. Das tausendfache Leben, das parallel zum Unsrigen verläuft ist Thema dieser Sendung, die zeigen soll, wie sehr wir bloss ein Teil des Ganzen sind.

Damit dies möglich ist, hat NETZ NATUR ein Jahr lang mit bis zu 3 Teams gleich-zeitig gedreht, im gemeinsamen Projekt des Schweizer Fernsehens mit dem Schweizerischen Nationalpark im Engadin. Wo von Natur aus keine Kameras den Zugang finden, wurden Systeme im Studio nachgebaut: Die Höhle einer Alpenmaus. Das Nest der Ameisen. Und die Höhle, in der die Murmeltiere schlafen, lässt sich nur an einem Ort so filmen: Auf dem Rocher de Naye in den Waadtlän-der Alpen, oberhalb von Montreux. So kommt nicht nur der Hirsch, der röhrt und kämpft, zum Zug, sondern auch der Regenwurm oder der Frosch im Tümpel - so, wie er die Welt sieht.

NETZ NATUR