Odyssee des Atems

Die Bogenstange wird mit Kolophonium eingerieben, eine Haarnadel als Dämpfer an den Steg geklemmt, die Musikerin stäubt sich Magnesium auf die Fingerkuppen, damit sie lautlos auf dem Griffbrett hin- und hergleiten können und beim Wegheben von der Saite kein Schmatzgeräusch produzieren es sind nicht wenige Herausforderungen in Giorgio Nettis «ciclo del ritorno».

Dazu eine Notation «so virtuos, schwarz, dicht und in mehreren Systemen, dass ich an einem Punkt der Erarbeitung fast kapituliert hätte», wie die Bratscherin Anna Spina sagt. «Je mehr ich aber in das Stück eingetaucht bin, desto mehr wurde die Notation absolut logisch und umsetzbar, weil das Stück am Instrument entstanden ist.»

Der gesamte architektonische Raum des Berner Münsters wird zum Klangraum. Vom Rascheln bis zum vollen Klang ist alles ein Atem, der von fern kommt, um Musik zu werden.

Giorgio Netti: Ciclo del ritorno
Anna Spina, Viola; Benoît Piccand, Klangregie
Konzert vom 08.09.15, Berner Münster

Redaktion: Florian Hauser