Jean-Jacques Rousseau und der Buffonistenstreit

Ein Musikhörstück von Balthasar Kübler. Der Ort: Paris. Die Zeit: 1752-1754. Das Vorspiel: Die Aufführung von Giovanni Battista Pergolesis Opera buffa «La serva padrona» durch eine italienische Operntruppe in der Académie Royale de Musique.

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Die vermeintlich bloss unterhaltende Musik schlägt hohe Wellen, denn wie der Titel unmissverständlich ausdrückt, wird hier «die Magd zur Herrin» - und also die Weltordnung auf den Kopf gestellt.

Es ist die kleine Rebellion der aufmüpfigen Magd Serpina auf der Opernbühne, doch es ist auch eine Lunte, die sie auslegt - und an ihr entzündet sich der Streit der Buffonisten, die «Querelle des bouffons».

Die Provokation: Jean-Jacques Rousseau wirft im November 1753 mit seinem «Lettre sur la musique françoise» den Funken ins Pulverfass, indem er behauptet, dass die italienische Musik der französischen überlegen sei - schlimmer noch: «... que les François n'ont point de Musique et n'en peuvent avoir; ou que, si jamais ils en ont une, ce sera tant pis pour eux.»

Das Hauptspiel: Die konservativen Vertreter der französischen Musik aus dem «coin du roi» mit ihrem prominenten Vertreter Jean-Philippe Rameau bekämpfen die Philosophen aus dem «coin de la reine», und es werden über sechzig Schriften publiziert.

Am Ende verändern die «Dilettanten» (mit Rousseau) die französische Opernwelt, das Buffoneske gewinnt an Gewicht - und die Französische Revolution rückt näher.

Erstausstrahlung am 3. Juni 2012.

Autor/in: Balthasar Kübler, Redaktion: Norbert Graf