Préludes non mesurés - Johannes Bogner am Cembalo

Mit ein paar Akkorden spielten sich die Lautenisten einst ein. Tonika, Dominante, Läufe und Triller dazwischen. Damit war die Tonart gesetzt, der Sänger hatte sie im Ohr - und das Werk konnte beginnen. Später haben die Cembalisten diese Praxis aufgenommen.

Ihnen ging es auch darum, sich mit dem Instrument vertraut zu machen, also fügten sie noch ein paar virtuose Schlenker hinzu. Ende des 17. Jahrhunderts wurde diese Art des Einstimmens und Einspielens von Komponisten wie Henry d'Anglebert und Louis Couperin aufgenommen, und im Stile einer freien Improvisation notiert.

Das heisst: sie legten zwar die Harmonien fest und die Tonhöhen, den Rhythmus aber nicht. Keine Taktstriche, keine Notenwerte, nur einfach eine Unzahl runder Kringel, die vielleicht noch mit einem schwungvollen Bogen mit der nächsten Notentraube verbunden wurden.

Johannes Maria Bogner erläutert am Cembalo, wie diese grafischen Notationen zu klingenden Préludes werden.

(Erstausstrahlung am 28. Februar 2010)

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CDs von Johannes Maria Bogner:

Les Sentiments bestiaux. Werke von Jean-Philippe Rameau, Joseph Nicolas Pancrace Royer, François Couperin und Antoine Forqueray. Extraplatte EX 376-2

Maria. Meditazione musicale di Girolamo Frescobaldi. Extraplatte EX 576-2

Redaktion: Gabriela Kaegi