Mönche und Pessach? – Eine christlich-jüdischer Wissenschaftskrimi

Die Tegernseer Haggadah ist eine kunstvoll ausgemalte hebräische Handschrift des Mittelalters und weltberühmt. Eine Haggadah enthält den Text, der am Pessachfest von jüdischen Familien rezitiert wird.

Eine Hand zeigt in ein aufgeschlagenes Buch mit hebräischen Schriftzeichen. Im Hintergrund ist ein gedeckter Tisch sichtbar.
Bildlegende: In einer Haggadah ist der Text enthalten, der am Pessachfest von jüdischen Familien gelesen wird. imago/epd

Aber irgendetwas stimmt nicht mit diesem Buch. Die Bilder darin passen nicht. Und der lateinische Kommentar dazu, verfasst von einem Dominikanermönch, wurde er jetzt richtig übersetzt. Offenbar handelt es sich gar nicht um eine jüdische Handschrift. Das schöne Kunstwerk erweist sich vielmehr als theologische Kampfschrift gegen die Juden.

Es brauchte die Expertise eines deutschen Kirchenhistorikers, eines amerikanischen Experten für Hebräische Literatur und einer israelischen Kunsthistorikerin, um der Wahrheit dieser Handschrift auf die Spur zu kommen. Die drei wurden selber überrascht: Die Illustrationen der Pessach-Szenen entlarvte die Kunsthistorikerin als christliche Deutungen des jüdischen Festes. Der christliche Latinist war ebenfalls schockiert: Der mittelterliche Kommentar erzählt nämlich alte Lügengeschichten über Juden weiter, wie etwa die vom Ritualmord kleiner christlicher Buben durch Juden. Wie konnte jemand, der vom Judentum so viel wusste, solche Hassgeschichten verbreiten? - Die Forschung des interreligiösen Teams wurde so selbst ein Beitrag zur Versöhnung zwischen Juden und Christen.

Redaktion: Judith Wipfler