Gehörlos durch den Alltag

An der internationalen Woche der Gehörlosen wird auf deren spezielle Bedürfnisse aufmerksam gemacht. Wo stossen sie im Alltag an Grenzen, und wie funktioniert die Kommunikation auch ohne Kenntnisse der Gebärdensprache? Tipps und Einblicke von «Ratgeber» und «Treffpunkt».

Mann hält sich eine Hand hinters Ohr, um besser zu hören. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wie bitte? Hörproblemen gehören für eine halbe Million Menschen in der Schweiz zum Alltag. imago

Rund 500'000 Menschen in der Schweiz hören schlecht oder gar nichts und sind von einem wichtigen Teil des alltäglichen Lebens mehr oder weniger ausgeschlossen. Lautsprecherdurchsagen im Bahnhof, Filme ohne Untertitel, Sendungen im Radio: Dies und mehr verhallt ungehört.

Anders als Blinden sieht man Gehörlosen das Handicap nicht auf den ersten Blick an – was nicht zuletzt Anlass für die internationale Woche der Gehörlosen ist. 1958 lanciert, wird sie seit 1981 auch in der Schweiz dazu genutzt, auf die Situation und Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe aufmerksam zu machen. Heuer sind vom 23. bis 26. September besonders viele Aktivitäten geplant, mit einer samstäglichen «Deaf Parade» durch Bern als Höhepunkt.

Geduldig und aufmerksam sein

Wie soll man mit Schwerhörigen oder Gehörlosen im Alltag umgehen? Grundsätzlich wie mit ganz normalen Leuten – denen die Möglichkeit der akustischen Verständigung fehlt. Dies ersetzen sie durch eine erhöhte visuelle Aufmerksamkeit, auf die man sich als Gegenüber einstellen sollte. «Man muss sich aufeinander einlassen», betont Martina Raschle vom Schweizerischen Gehörlosen-Bund. «Zunächst braucht es etwas mehr Geduld, damit die gehörlose Person beim Lippenlesen mein Mundbild kennenlernen kann.»

Das Mundbild variiert von Person zu Person ebenso wie der Dialekt. A propos Mundart: Bei der Kommunikation mit Gehörlosen ist es wichtig, Hochdeutsch zu sprechen. So wird Lippenlesen nämlich auch in der Schule gelehrt.

Vier Tipps für gute Verständlichkeit

  • Gehörlosen beim Reden stets in die Augen schauen
  • Darauf achten, dass der Mund für das Gegenüber gut zu sehen ist
  • Langsam und deutlich sprechen; dabei die Lippen bewusst bewegen
  • Hochdeutsch sprechen (Lippenlesen wird nicht in Mundart gelehrt)