Richtig Zähneputzen – wie denn?

Obwohl täglich Zähne geputzt werden, gibt es praktisch keine allgemein gültigen Regeln bezüglich Putztechnik und Dauer. Klar ist nur, dass geputzt werden muss – mindestens nach dem Abendessen und mit fluoridhaltiger Zahnpaste.

Video «Richtig Zähneputzen» abspielen

Richtig Zähneputzen

21 min, aus Puls vom 23.2.2015

Jeden Tag beschäftigen wir uns damit, mit dem Zähneputzen. Und obwohl es eine alltägliche Sache ist, ist der Ablauf nicht einheitlich weltweit geregelt.

Gemäss einer Zehn-Länder-Studie vom August 2014 sind keine Unterschiede bei den diversen empfohlenen Zahnputztechniken festzustellen. In verschiedenen Ländern werden unterschiedliche Techniken empfohlen, evidenzbasierte Studien über die Effektivität der verschiedenen Zahnputztechniken fehlen jedoch. Die Zeitangaben variieren zwischen 2 bis über 3 Minuten, ebenso die die empfohlene Häufigkeit (ein bis drei Mal pro Tag). Die Studienautoren fordern deshalb eine einheitliche Empfehlung.

Empfehlungen in der Schweiz

Zahnpräventivmediziner haben zusammen mit der Schweizerischen Zahnärztevereinigung eine Systematik des Zähnebürstens festgelegt, die auch in den Schulen gelernt werden soll. Der Vorteil dieser Methode ist, dass sie im Erwachsenenalter beibehalten werden kann.

Früher lernten die Kinder in der Schule kreisendes Bürsten. Darin sahen die Experten ein Problem, denn mit der Zeit werde aus dem Kreisen eine ovale Bewegung, die schliesslich in einem Hin-und-her mündete. Diese Putztechnik kann Zahnfleischschäden verursachen. Darum wird bei der neuen Systematik die Auf-und-ab-Bewegung propagiert.

Aber auch diese Systematik wurde nicht wissenschaftlich in Langzeitstudien untersucht und mit anderen Putztechniken verglichen. Viel wichtiger als die Putztechnik ist unter dem Strich deshalb, dass darauf geachtet wird, wirklich alle Zähne zu putzen, sich genügend Zeit zu nehmen und sich dabei zu konzentrieren. Vor allem die Innenseite macht vielen Personen Mühe.

Zahnbürsten

Auf dem Markt finden sich unzählig verschiedene Bürstenarten. Bei Handzahnbürsten ist es wichtig, dass weiche Borsten genommen werden. Diese massieren zusätzlich schön das Zahnfleisch, ohne es zu verletzen.

Die oszillierenden Bürsten von elektrischen Zahnbürsten reinigen sehr gut mit extrem schnellen Kreisbewegungen. Bei falscher Anwendung können sie aber Zahnfleisch und Zahnhälse verletzen und so zu Zahnfleischrückgang führen.

Schallzahnbürsten bewegen sich mit 30'000 Bewegungen pro Minute hoch und runter und übernehmen dabei die Putzarbeit. Zusätzlich schonen sie das Zahnfleisch. Die Anwendung ist anders als bei der Handzahnbürste. Die Schweizerische Zahnärztegesellschaft hat ein Plakat zur richtigen Anwendung entworfen – das PDF finden Sie rechts in der «Mehr zum Thema»-Box.

Elektrische Zahnbürsten reinigen leicht besser als normale Handzahnbürsten. Grossangelegte Übersichtsstudien wie die der The Cochrane Collaboration zeigen, dass der Plaque-Anteil mit einer elektrischen Zahnbürste um 21 Prozent niedriger ist als mit einer Handzahnbürste. Man kann aber mit Handzahnbürsten die Zähne ebenfalls gut reinigen und kariesfrei bleiben. Denn aus den Studien geht nicht hervor, dass es mit einer elektrischen Zahnbürste auch weniger Löcher gibt. Kinder sollten immer zuerst die Technik mit einer Handzahnbürste lernen.

Es gibt viele verschiedene elektrische Zahnbürsten, und dementsprechend gibt es auch Unterschiede in der Putzleistung und der Gewebeverträglichkeit. Wenn man sich für eine elektrische Zahnbürste entscheidet, sind Schallzahnbürsten zu bevorzugen. Sie führen effektiv etwa 500 Schwingungen pro Sekunde durch. So wird die Reinigung im Zwischenraum der Zähne unterstützt.

Trotzdem ist es wichtig, dass man mit dem Bürstenkopf den Zahnflächen respektive dem Zahnfleischsaum entlangfährt, jeden Zahn also auch in seinen Wölbungen erreicht und systematisch alle vorhandenen Zähne reinigt. Vor allem «faulen» Handputzern und jenen, die Probleme haben, alle Orte im Mund zu erreichen, kann eine Schallzahnbürste Erleichterung bringen.

Zahnzwischenräume speziell reinigen oder nicht?

Die grosse Mehrheit der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen weist allein durch das Zähnebürsten eine ausreichende Mundhygiene auf und benötigt keine zusätzlichen Massnahmen. In speziellen Situationen sind zusätzliche Mundhygienemittel notwendig.

Zahnarzt oder Dentalhygienikerin können beurteilen, ob und welche Produkte benötigt werden. Der richtige Gebrauch muss von diesen Fachpersonen instruiert werden. Erst dann ist der Kauf von Hilfsmitteln sinnvoll.

Fluorid – Nutzen und Risiko

Der Gebrauch von fluoridhaltigen Zahnpasten gilt weltweit als die wichtigste Massnahme zur Kariesvorbeugung. Fluoride entfalten ihre karieshemmende Wirkung im Mund hauptsächlich direkt auf dem Schmelz der Zähne:

  • Sie erhöhen den Widerstand des Zahnschmelzes gegenüber Säure.
  • Sie hemen die Säureproduktion der Plaque-Bakterien. Dadurch verlangsamt sich die Entkalkung des Zahnschmelzes.
  • Mineralien aus der Mundflüssigkeit können sich dank des Fluorids wieder besser in bereits entkalktem Schmelz einlagern. Eine beginnende Karies kann so gestoppt werden.
Zusatzinhalt überspringen

Dentalfluorose

Eine Dentalfluorose kann durch eine zu hohe Fluoridzufuhr in den ersten sechs Lebensjahren entstehen. Das übermässige Fluorid stört die Zahnschmelzbildung, was sich in weisslichen, matten Flecken meist der Schneidezähne zeigt. Dies kommt seit der Einführung spezieller Kinderzahnpasten in der Schweiz aber sehr selten vor.

In der Regel enthalten Kinderzahnpasten 500 ppm Fluorid, bei der Erwachsenenzahnpaste sind es um die 1400 ppm. Beim normalen Zähneputzen mit 1 g Zahnpasta (was viel ist) hat man 1,4 mg Fluorid auf der Zahnbürste. 1 bis 3 mg Fluorid pro Tag gelten als ein wirksames Mittel zur Kariesprophylaxe.

Fluoridgegner warnen vor einer Dentalfluorose und befürchten zudem, dass sich zu viel Fluorid auch sonst im Körper einbinden kann, einen negativen Effekt auf die Knochen ausübt und es zu einer Skelettfluorose kommen kann. Damit dies eintritt, wäre allerdings eine Einnahme von mindestens 20 mg Fluorid pro Tag erforderlich. Ein 6-jähriges Kind müsste mehr als zwei Tuben Kinderzahnpaste aussaugen, damit Vergiftungssymptome auftreten würden.

Um den positiven Effekt auf die Mundhygiene zu verlängern, sollte nach dem Zähneputzen der Mund nicht mit Wasser ausgespült werden sondern die Zahnpaste einfach ausspucken. Dies gilt für Kinder und Erwachsene.

Warum entstehen Löcher?

Praktisch alle Krankheiten die die Zähne betreffen wie Karies, Entzündung des Zahnfleisch (Gingivitis) und des Zahnhalteapparates (Parodontitis) werden von Bakterien (Streptococcus mutans) verursacht. Diese Bakterien hat jeder von uns im Mund, durch Nährstoffe, die mit der Nahrung aufgenommen werden, vermehren sich diese Bakterien und lagern sich auf den Zähnen in Form von Zahnbelag (Biofilm) an.

So entsteht Karies

1:00 min, vom 20.2.2015

Um diese Krankheiten abzuwenden, sollen diese Bakterien durch konsequente tägliche Zahnpflege eliminiert werden. Wie Untersuchungen gezeigt haben, können bei guter manueller Geschicklichkeit nur 70 Prozent der Zahnbeläge entfernt werden.

Das liegt primär an der schlechten Erreichbarkeit mancher Zahnbereiche. Deshalb können sich die Bakterien in diesen Bereichen ungehindert vermehren. Besonders Zahnfehlstellungen oder weit hinten liegende Zähne erschweren die Mundhygiene. Bei einer professionellen Zahnreinigung (Prophylaxe.Sitzung) wird der Zahnbelag durch den Zahnarzt oder die Prophylaxeassistentin vollständig entfernt. Der positive Effekt für die Zähne wirkt einige Monate lang.

Sendung zu diesem Artikel