Ebola-Impfstoffe – Wie testen?

Mehrere Impfstoffe gegen das Ebola Virus werden in nächster Zeit an Menschen getestet, ab Ende Jahr auch vor Ort in Afrika. Um bestmögliche Aussagen über die Wirksamkeit zu erhalten soll einem Teil der freiwilligen Probanden ein unwirksames Placebo verabreicht werden. Ist das ethisch vertretbar?

Impfung wird in einen Oberarm gespritzt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Verabreichen von Placebo gehört zu den Standardverfahren bei Medikamententests. Es gäbe aber Alternativen. Keystone

Noch laufen die ersten Tests, die sogenannten Phase-1-Tests. Diese werden an gesunden Freiwilligen durchgeführt, in der Schweiz sind 120 Menschen an dem Versuch beteiligt. Dabei will man herausfinden ob der Impfstoff verträglich ist und ob er unvorhergesehene Nebenwirkungen verursacht.

Aber vor allem geht es darum: Bilden die Testpersonen genügend Antikörper, die gegen das Ebola-Virus wirken können? Fällt die Antwort positiv aus, ist der Impfstoff bereit für die nächste Testphase mit deutlich mehr Versuchspersonen. Die Ebola-Epidemie stellt eine besondere Notsituation dar. Deshalb sollen in der nächsten Phase nicht nur wie üblich mehrere hundert, sondern gleich viele tausend Personen geimpft werden.

Diese Tests sollen ab Ende Jahr in Westafrika stattfinden, mit einer ersten Serie in Liberia. Rund 20'000 bis 30'000 Testpersonen, vor allem Gesundheitspersonal und weitere Helfer, sollen daran beteiligt sein.

WHO befürwortet Standard-Vorgehen

Ein Teil der Probanden soll nur ein Placebo bekommen, also eine Pseudo-Impfung ohne Wirkstoff – und damit auch ohne Schutz. Klare Aussagen darüber, ob ein Impfstoff funktioniere oder nicht, seien auf diese Weise am schnellsten zu erhalten, sagt Marie-Paule Kieny, die stellvertretende Generaldirektorin der WHO.

Die Methode ist seit Jahren wissenschaftlich anerkannt und gilt als «Goldstandard», um die sichersten Aussagen treffen zu können, ob ein Präparat wirkt oder nicht.

Es geht auch anders

Allerdings ist auch deutliche Kritik an diesem Ansatz zu hören. Wie mehrere Artikel in Fachzeitschriften zeigen, ist sich die Forschergemeinde überhaupt nicht einig, ob manin Westafrika mit oder ohne Placebos testen soll.

Marcel Tanner, der Direktor des Schweizerischen Tropen und Public Health Instituts, glaubt sogar, dass eine Studie mit Placebo länger brauche. Mehrere Monate Zeit könne man gewinnen, wenn ein alternatives Testprogramm durchgeführt würde. Eines, wie es vor knapp 30 Jahren bereits mit Hepatitis B in Afrika ausprobiert wurde: Anstelle von Placebo erhielten die Probanden die Impfungen einfach gestaffelt, also nicht alle zur gleichen Zeit. Dies ermöglichte, zu jedem Zeitpunkt Vergleichsgruppen zu haben, die keine Impfung erhalten hatten. Die Methode ist prinzipiell wissenschaftlich anerkannt, aber noch wenig erprobt in der Praxis.

Es sei einfach ein falsches Signal gegenüber dem Pflegepersonal in Westafrika, wenn bei der Studie Placebos zum Einsatz kommen, so Marcel Tanner. Wichtig sei, dass jetzt die Gesundheitszentren alle wieder eröffnet werden können. Dazu brauche es motiviertes Personal. Und dabei spiele nicht nur Geld und Schutzkleidung eine Rolle, sondern auch die Aussicht darauf, einen Impfstoff zu erhalten – und nicht eine Injektion mit wirkungsloser Kochsalzlösung.

Diskussion noch nicht abgeschlossen

In einem Punkt sind sich aber alle einig: Es soll so schnell wie möglich vorwärts gehen, damit rasch ein sicherer Impfstoff zur Verfügung steht. Doch wie man zu diesem Ziel gelangt, wird noch diskutiert werden müssen.

Sendung zu diesem Artikel