Preisgekrönte Genfer Hirnforscher

Forschende der Universität Genf erhalten für ihre Arbeiten zu Lernprozessen im Gehirn den alle zwei Jahre verliehenen Forschungspreis der Schweizerischen Hirnliga. Die Erkenntnisse eröffnen neue Therapiemöglichkeiten nach Hirnschädigungen.

Grafische Darstellung von Hirnaktivitäten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch Verknüpfungen zwischen «stummen» Nervenzellen können mit Sinnesreizen aus der Umwelt stimuliert werden. imago

Die Wissenschaftler um Prof. Anthony Holtmaat konnten zeigen, wie sogenannte «stumme» Neuronen im Gehirn an Lernprozessen beteiligt sind. Ihre Erkenntnisse bergen enormes Potenzial für therapeutische Möglichkeiten nach Hirnschädigungen, heisst es in der Begründung der Hirnliga.

Seit den 1970er Jahren vermuten Forscher, dass das wiederholte Verstärken von Verbindungen zwischen Nervenzellen die Grundlage von Lernen und Erinnerung sind. Der wiederholte Austausch von Informationen durch elektrische Impulse stärkt diese «Synapsen» genannten Verbindungen.

Bisher wurde angenommen, dass dieser Vorgang nur Nervenzellen vorbehalten war, die über elektrische Signale miteinander kommunizieren. Holtmaat und seine Mitarbeitenden konnten dieses Dogma jedoch widerlegen: Auch die Verknüpfungen zwischen «stummen» Nervenzellen können längerfristig gestärkt werden. Dafür reichen Sinnesreize aus der Umwelt, die nur sehr schwache elektrische Impulse auslösen.

Gezielte Stimulierung möglich

Je mehr die Verknüpfungen der stummen Neuronen gestärkt werden, desto höher die Chance, dass sie aktiv werden und beginnen, miteinander zu kommunizieren, hiess es in der Mitteilung. Sie können also zu vollwertigen Mitgliedern des neuronalen Netzwerks werden.

Die Studie lege nahe, dass weniger aktive Synapsen und stumme Nervenzellen gezielt stimuliert werden könnten. Die Hoffnung wäre, dass sie so nach einer Hirnschädigung dazu angeregt werden könnten, die verlorenen Funktion zumindest teilweise zu ersetzen.