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Gesundheitswesen Schmerzen im Alter – Vielen könnte besser geholfen werden

Unterversorgung mit Schmerzmitteln: Für Betagte und Demente eine Tatsache. Gerade bei letzteren liegt das oft daran, dass sie das Schmerzempfinden nicht mehr artikulieren können – eine Herausforderung für das Pflegepersonal.

Teilansicht einer gramgebeugten Seniorin
Legende: Schmerzen gehören für viele Betagte halt einfach zum Alter. Oder es fehlen die Worte, um sie zu beschreiben. imago

Schmerzen sind etwas hochgradig Individuelles: Was den einen furchtbar quält, ist für die andere noch gut aushaltbar. «Schmerz ist das, was der Patient als solchen beschreibt. Er ist immer dann vorhanden, wenn er geäussert wird», hat es die amerikanische Pflegerin Margo McCaffery 1968 auf den Punkt gebracht.

Bloss: Wie soll man den Schmerz erkennen, wenn Betroffene ihr Empfinden nicht oder nicht mehr äussern können?

«Früher ist man tatsächlich davon ausgegangen, dass Kinder und Säuglinge keinen Schmerz empfinden, weil ihn nicht artikulieren können», weiss Ursula Wiesli vom Schweizerischen Verein für Pflegewissenschaft, die als Pflegeexpertin immer wieder mit älteren Menschen zu tun hat, die nicht über ihre Schmerzen reden. «Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass solche Leute mit Schmerzmitteln oder Narkosen massiv unterversorgt waren und es zum Teil heute noch sind.»

Demente sprechen nicht über Schmerzen

Warum sagen denn Leute, die eigentlich sprechen könnten, nicht, dass sie Schmerzen haben? «Viele nehmen Schmerzen als etwas hin, das halt einfach zum Alter gehört», erklärt Wiesli. Man will nicht ständig jammern, Tabletten nehmen oder dauernd zum Arzt – und vergisst die Schmerzen unter Umständen sogar. «Ich habe schon erlebt, dass Patienten im Lehnstuhl sassen, wenn der Arzt kam und sagten, dass es ihnen gute gehe und ihnen nichts weh tue», erzählt die Pflegeexpertin. «Kaum sind sie dann aufgestanden, waren die Schmerzen wieder da.»

Ursula Wiesli ist Vizepräsidentin der Akademischen Fachgesellschaft Gerontologische Pflege des Schweizerischen Vereins für Pflegewissenschaft. Sie arbeitet als Pflegeexpertin ANP mit gerontologischem Schwerpunkt in den Spitälern Schaffhausen und selbstständig als Dozentin an Fachhochschulen, in Beratung und Projekten.

Noch schwierigier gestaltet sich die Angelegenheit mit Patienten, die an Demenz leiden. Manche sprechen kaum mehr, manchen fehlen die Worte und manche können sich gar nicht mehr erinnern, weshalb sie so ein komisches Gefühl haben. Dann sind die Pflegenden besonders gefordert und müssen besonders genau hinschauen.

Der Gesichtsausdruck, die Körperhaltung, ein Stöhnen oder schnelles Atmen können entscheidende Hinweise liefern. Und im Zweifelsfall hilft ein Blick in die Krankenakte. Ursula Wiesli erinnert sich an den Fall einer dementen Frau, die frisch ins Pflegeheim eingetreten war und stets gebückt am Rollator ging und dabei stöhnte.

«Ihr Sohn meinte, sie laufe schon lange so. Ein Blick in ihre Krankengeschichte zeigte, dass sie seit jeher ein Rückenproblem hatte und schmerzende Arthrose in den Knien. Zu einer Aussage über den Grad der Schmerzen war sie aber nicht mehr in der Lage.» Daraufhin habe man gemeinsam mit dem Arzt entschieden, ihr Schmerzmittel zu geben und die Dosierung solange erhöht, bis sie aufhörte zu stöhnen und wieder aufrecht ging.

Betagte ernst nehmen und aufmerksam begleiten

Als Laie fragt man sich, weshalb man dieser Frau nicht schon früher Schmerzmittel gegeben hat, wenn ihre Rückenschmerzen schon in der Krankengeschichte aufgeführt sind. «Das Ziel ist natürlich, Schmerzen so früh wie möglich zu bekämpfen», meint Ursula Wiesli, «aber man will ja nicht schnell irgendwelche Pillen schlucken. Schmerzmittel sind häufig gross und unangenehm einzunehmen, wenn man eh an Schluckbeschwerden leidet. Die Mittel machen auch oft müde, was die Sturzgefahr erhöht.» Es gebe da zahlreiche Faktoren, die zu berücksichtigen sind.

Fakt ist, betont Wiesli, dass ältere Menschen mit Schmerzmitteln eher unterversorgt sind. Dabei müssen Schmerzen nicht einfach hingenommen werden. Wichtig sei, dass man es als Pflegende oder Angehörige ernst nimmt, wenn Betagte von Schmerzen reden. Und wenn sie nicht mehr reden können, müsse man ein umso wacheres Auge auf sie haben.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Marihuana waere DAS Schmerzmittel schlechthin, es wirkt rasch, anhaltend und erhellt die Stimmungslage, und hat keine Nebenwirkungen die dramatisch sind... bei Dementen sowieso kein Problem und auch Aeltere sind ja alle irgendwie im terminalen Stadium. Leider gibt es keine Formulierungen die fluessig oder als Pulver erhaeltlich sind, Voraussetzung fuer Demente! Und eine verkalkte Politgarde verhindert die Freigabe.. Hanf laesst sich halt kaum besteuern, gaelled!!!
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    1. Antwort von P. Manser, St. Gallen
      Ein verstorbener Onkel von mir, hat gegen seine chronischen starken Schmerzen THC - haltiges Oel bekommen. Einfach unters Jogi oder Müsli mischen fertig. Praktisch Schmerzfrei ohne Nebenwirkung. Ausser einmal als meine Tante zuviel abgemessen hat, hatte er MASSIVE Nebenwirkungen. Er war den ganzen Tag fröhlich und schmerzfrei sowieso.
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    2. Antwort von P. Manser, St. Gallen
      Ist wie bei Cluster-Kopfschmerzen oder im Volksmund Selbstmordkopfschmerzen. Die periodisch auftretenden Schmerzen sind so unerträglich das sich selbst Schaden zufügen oder sich das Leben nehmen. Die Wissenschaft hat nur kleine sym­p­to­ma­tisch Lösungen und die Pharmaindustrie intressierts eh nich da es zu selten ist. Vorbeugende Massnahmen die vielen Kranken nützt ist die einnahme von psylocibinhaltige Pilze oder LSD. Auf Basis dieser Erkentniss wird nun geforscht. Vorallem in der CH.
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