Die Kinderlähmung holt die Hälfte wieder ein

Wer die Kinderlähmung überstanden hat, ist vor ihr den Rest des Lebens nicht sicher: Bei 50 Prozent der Betroffenen macht sie sich im Erwachsenenalter als Post-Polio-Syndrom wieder bemerkbar.

Dank der in den 60er-Jahren eingeführten Polio-Impfung sind heute rund 95 Prozent der Schweizer gegen Kinderlähmung geimpft. Polio tritt so in der Schweiz praktisch nicht mehr neu auf.

Mit der Krankheit ist jedoch auch das Wissen über die Spätfolgen verschwunden – und bei jeder zweiten von Kinderlähmung betroffenen Person tritt die Krankheit im Erwachsenenalter als Post-Polio-Syndrom wieder auf.

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Poliofälle in der Ukraine

Die WHO hat zwei Fälle von Kinderlähmung in der Ukraine bestätigt. Zwei kleine Kinder aus dem Südwesten des Landes seien erkrankt. Dabei handele es sich um die ersten Fälle in Europa seit fünf Jahren. Den Angaben zufolge war 2014 lediglich die Hälfte der ukrainischen Kinder gegen Polio geimpft.

«Im Alter von sechs Jahren bin ich von einem Tag auf den anderen an Polio erkrankt», erinnert sich Erika Gehrig zurück. «Ich hatte hohes Fieber und schreckliche Kopf- und Nackenschmerzen. Am nächsten Morgen war ich gelähmt, konnte nicht mehr schlucken und kaum mehr atmen.»

Nach eineinhalb Jahren im Spital konnte Erika Gehrig wieder zur Schule gehen, das KV absolvieren, arbeiten und eine Familie gründen. Von dem gelähmten rechten Arm liess sie sich so wenig wie möglich einschränken.

Rückkehr der Schmerzen

Doch die Polio-Krankheit liess sie nicht los. Im Erwachsenenalter kamen die Lähmungen, die Muskel- und Gelenkschmerzen und die Müdigkeit schleichend wieder zurück.

Jede zweite von Polio betroffene Person erkrankt Jahrzehnte nach der Kindheit am sogenannten Post-Polio-Syndrom. In der Schweiz sind dies neben Erika Gehrig weitere geschätzte 90'000 Personen. Wie Erika Gehrig sind diese an Krücken oder Rollstuhl gebunden und müssen von ihrem Umfeld stark unterstützt werden. Als Präsidentin der Schweizerischen Interessengemeinschaft für das Post-Polio-Syndrom kämpft Erika Gehrig für eine breitere Anerkennung der Krankheit.