Seitenstechen – Lästig, aber harmlos

Leistungssportler erleben es, Hobbywanderer auch, Kinder sogar recht häufig. Und meist ist es ebenso schnell wieder vorbei, wie es einen befallen hat – Ursache unbekannt. Seitenstechen ist eines der grossen Mysterien der Medizin.

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Mysterium Seitenstechen

Den plötzlichen stechenden Schmerz in der Seite kennt jeder, der sich schon mal sportlich betätigt hat. Rezepte, um ihn wieder wegzubekommen, gibt es viele – was ihn auslöst, dafür gibt es aber nach wie vor keine schlüssige Erklärung.

Drei Theorien sind besonders oft zu hören: Das Stechen komme, wenn man vor dem Sport zu viel gegessen hat. Oder das Stechen werde durch «falsches Atmen» ausgelöst. Oder: Der Schmerz geht auf Fehlbelastungen während der Bewegung zurück.

Mit den ersten beiden Vermutungen kann Dr. Martin Schär, Hausarzt und Mannschaftsarzt des SC Bern nicht viel anfangen. Immerhin werden auch Spitzensportler gelegentlich vom Seitenstechen befallen, die sich sehr bewusst ernähren. «Und das Zwerchfell trainieren wir täglich zigtausend Male beim Ein- und Ausatmen. Da kann ich mir nicht vorstellen, weshalb es beim Sport plötzlich wegen ‹falschem Atmen› schmerzen sollte.»

Bücken, strecken oder warten

Bleibt die Haltungstheorie, für die unter anderem auch spricht, dass selbst Reiter nicht vor Seitenstechen verschont bleiben. Nicht zuletzt sind auch Kinder häufiger betroffen als Erwachsene. «Da rennt man eben noch frisch drauflos und achtet nicht speziell auf optimale Bewegungsabläufe», vermutet der Sportmediziner.

Ursache also letztlich nach wie vor unbekannt. Dafür ist aber immerhin klar, was hilft, um den Schmerz möglichst schnell wegzubekommen: Durchatmen, sich kräftig strecken oder bücken – was besser wirkt, ist schnell klar. Oder man lässt sich etwas Zeit, denn nach ein paar Minuten ist das Seitenstechen ganz von alleine wieder weg.