Was bringt «Functional Food»?

Für die Lebensmittelindustrie sind sie ein Heilsversprechen. Aber was bringen mit Vitaminen angereicherte Müsli oder probiotische Joghurts? Ein Ernährungsexperte klärt auf.

«Den Beweis, dass Functional Food tatsächlich wirksam ist, hat die Nahrungsmittelindustrie bis heute nicht erbracht», sagt Peter Ballmer, Professor und Ernährungsexperte am Kantonsspital Winterthur. Diese Aussage würde zwar nicht auf alle Produkte zutreffen, relativiert Ballmer. So sei etwa die Wirkung probiotischer Joghurts erwiesen. Generell gelte es, wie überall in der Medizin, die Dosis zu beachten.

Dass Functional Food mit zu viel des Guten angereichert ist, diese Gefahr besteht gemäss Ballmer nicht. «Man muss eher von einer Unterdosierung ausgehen», sagt der Arzt. Gerade Schwangeren empfiehlt er, auf Produkte, die mit Folsäure angereichert sind, zu verzichten. Denn im Gegensatz zu angereicherten Lebensmitteln weiss die Konsumentin bei der Folsäure in Tablettenform genau, welche Dosis sie einnimmt.

Probiotika haben ihre Berechtigung

Trotz der Bedenken arbeitet das Kantonsspital Winterthur mit Functional Food. «Gerade Patienten, die als Nebenwirkung von Antibiotika Durchfall haben können, servieren wir probiotische Milchprodukte», sagt Ballmer. Probiotische Joghurts oder Milchgetränke, diese mit Mikroorganismen angereicherten Lebensmittel, empfiehlt der Ernährungsexperte auch bei gewöhnlichen Durchfallerkrankungen. Sie helfen, die Darmflora wieder aufzubauen.

Von den Margarinen, die mit Steroiden angereichert sind und als Cholesterinsenker oder als Prävention vor erhöhten Blutfettwerten angepriesen werden, rät Peter Ballmer aber dringend ab: «Obwohl das Cholesterin minim gesenkt wird, gibt es Hinweise, dass die Pflanzensteroide die Alterssklerose sogar fördern können.» Der Experte rät deshalb, sich nicht auf die angepriesene Wirkung von Functional Food zu verlassen. «Diese Lebensmittel erwecken bloss den Anschein, man habe jetzt etwas ganz Gutes für die eigene Gesundheit getan».