Erythrophobie – Farbwechsel mit Leidensdruck

Die totale Blamage haben wir alle schon einmal erlebt. Das äussere Zeichen: ein knallroter Kopf.

Ein Junge versteckt sich mit hochrotem Kopf hinter einem Handtuch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Extrem unangenehm: Den roten Kopf können alle sehen. Colourbox

Viele Menschen sind schon einmal in ihrem Leben in einer für sie unangenehmen Situation rot geworden. Aber zwischen dem kurzen Erröten wegen einer Blamage oder der ständigen Angst, rot zu werden, besteht ein deutlicher Unterschied.

Im Prinzip laufen beim Erröten in unserem Körper parallele Prozesse ab. In einer unangenehmen Situation bewertet das Gehirn blitzartig die Lage. Es entsteht körperlicher Stress, die Durchblutung steigert sich. Manchen grummelt eher der Magen oder sie verspannen sich, bei andere wechselt die Gesichtshaut die Farbe. Vielfach sind das Menschen, die tatsächlich eine dünnere Haut haben und denen man deswegen die Durchblutungssteigerung schnell ansieht. Und das wiederum erhöht Stresspegel zusätzlich.

Angst vor dem Farbwechsel

Gesellt sich dann zum an sich schon unangenehmen Erröten noch die Angst davor hinzu, spricht man von Erythrophobie. Sie ist aber nicht das eigentliche Problem, auch wenn sie vielfach so betrachtet wird, sondern nur ein Symptom einer Sozialphobie, genauer gesagt von Bewertungsängsten, sobald sich die Augen anderer Menschen auf die Person richten.

Dann rasen Fragen durch den Kopf: Blamiere ich mich jetzt? Was halten die anderen von mir? Lacht schon jemand? Das beginnt beim Referat vor der versammelten Klasse, geht über das Bezahlen an der Supermarktkasse und endet bei Vorträgen in der Vorstandsetage.

Häufen sich die negativen Erfahrungen, kann das in Vermeidungsstrategien und sozialem Rückzug enden – in Ausreden, wenn man im Team präsentieren soll, oder im Vernachlässigen von Freundschaften, weil man sich nicht mehr ausser Haus in grösserer Runde treffen will.

Sich nicht vor schwierigen Situationen drücken

Betroffen sind vor allem junge, noch leicht zu verunsichernde Menschen, die ganz besonders von einem positiven Feedback des Umfelds abhängig sind. Bei manchen verliert sich das Problem mit der Zeit, andere nehmen es mit ins Erwachsenenleben. Der Leidensdruck ist enorm, denn das Problem ist für jedermann sichtbar.

Helfen können Entspannungsverfahren, aber auch, sich immer wieder in die Situation zu begeben, entweder mit psychologischer Hilfe oder ohne. Denn wer sich den Ängsten stellt, wird lernen, dass er sie durchstehen kann und deswegen besser mit seinem Problem umgehen lernen. Und es hilft, sich immer vor Augen zu halten, dass auch Menschen ohne Erythrophobie sich bis auf die Haut blamiert fühlen können – und zwar so, dass sie das Erlebnis nie wieder vergessen, wie der «Treffpunkt» auf Radio SRF 1 zeigt.

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