Weshalb wir Kreischtöne schlecht ertragen

Ein Schauer läuft den meisten über den Rücken, wenn Kreide auf einer Schiefertafel kreischt oder ein Messer auf Glas kratzt. Unser Emotionszentrum im Gehirn bewirkt, dass wir bei manchen Tönen fast verrückt werden, uns bei andern hingegen ausgesprochen wohl fühlen.

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Weshalb wir Kreischtöne so schlecht ertragen

0:44 min, aus Puls vom 22.10.2012

Englische und deutsche Neurowissenschaftler haben ihren Probanden 74 Geräusche vorgespielt und dabei die Hirnreaktion im Magnetresonanztomographen (MRI) beobachtet. Offenbar lösen die hohen Kreischtöne im Emotionszentrum des Gehirns, der Amygdala, ein Alarmsignal aus. Üblicherweise sind das hochfrequente Töne zwischen 2000 und 5000 Herz. Sie signalisieren in der Natur oftmals Gefahr. Darum lösen sie instinktiv negative Gefühle aus, schlussfolgern die Forscher im Fachmagazin «Journal of Neuroscience».

Sie sehen in ihren Erkenntnissen auch eine mögliche Erklärung für die extreme Geräuschempfindlichkeit von Autisten oder Migräne-Patienten. Es sei denkbar, dass deren Amygdala besonders stark reagiere und so verfrüht eine Abwehrreaktion und Überempfindlichkeit auslöse. 

Die unangenehmsten Geräusche - und die liebsten

Zu den unangenehmsten Geräuschen zählen laut der Studie das Quietschen einer Gabel auf Glas, der Schrei einer Frau, ein schreiendes Baby oder die berüchtigte Kreide auf einer Tafel.

Auf der anderen Seite reagiert die Amygdala genauso selbständig auf Wohlfühltöne: Babylachen, Applaus, fliessendes Wasser und überraschenderweise auch Donnergrollen lösen ebenso instinktiv ein positives Gefühl aus.

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