Sonnenbrand trotz Autoscheibe

Wer im Auto in die Ferien fährt, denkt dabei nicht als erstes an Sonnenbrand oder Sonnencreme. Dabei gelangt einiges an UV-Strahlung durch das Autoglas.

Junger Mann mit Kravatte und Sonnenbrille am Steuer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Verbundglas hält einen grossen Teil der UV-Strahlung ab. Rundum sonnengeschützt ist man im Auto aber trotzdem nicht. Colourbox

«18 Kilometer Stau vor dem Gotthard Nordportal», «stockender Verkehr vor Barcelona», «die Reisezeit verlängert sich um drei Stunden»: Vor allem zu Ferienbeginn schieben sich Autos Stossstange an Stossstange Richtung Urlaubsdestination. Lange Wartezeiten sind vorprogrammiert. Die Sonne bescheint das Szenario währenddessen unerbittlich.

Das Sonnenlicht besteht aus verschiedenwelligen UV-Strahlen. UV-B-Strahlen sind die energiereicheren, biologisch hochaktiven Strahlen der Sonne und wirken direkt auf die Haut ein. Sie führen zur beliebten Bräunung der Haut, aber auch zum schmerzhaften Sonnenbrand. Setzt man sich zu oft und zu lange dieser UV-B-Strahlung aus, so kann es zu Veränderungen im Reparatursystem des Erbgutes kommen und dadurch im schlimmsten Falle Hautkrebs entstehen.

Wie gut schützen Autoscheiben vor UV-Strahlung?

3:54 min, aus Puls vom 30.6.2014

Die UV-A-Strahlen sind weniger energiereich und langwelliger als UV-B. Setzt man sich ihnen in hohen Dosen aus, regen auch sie die Bildung von Melanin an, das die Haut braun färbt. Allerdings führt UV-A-Licht zu einer Bräune mit Graustich.

Auch UV-A kann Sonnenbrände und DNS-Schäden in den Hautzellen und dementsprechend Hautkrebs verursachen. Es dringt zudem tiefer in die Haut ein als UV-B. In der Lederhaut kann UV-A die dort befindlichen Kollagenfasern schädigen. Das fördert die Hautalterung, aber auch Allergien oder Hauttumore können so ausgelöst werden.

Die UV-C-Strahlen sind besonders gefährlich, da sie sehr kurzwellig sind. Sie werden aber von der Ozonschicht der Atmosphäre weitgehend abgefangen.

Beschränkter Sonnenschutz im Auto

Bei Autofahrern in Australien wurde verstärkt schwarzer Hautkrebs am Unterarm beobachtet. Das ist der Teil des Arms, der gern bei langen Autofahrten auf die Kante zum Fenster abgelegt wird und so jede Menge ultravioletter Strahlung abbekommt, obwohl das Fenster geschlossen ist.

Bei «Glas Trösch» in Bützberg testete «Puls» vier verschiedene Autoscheiben: Die Frontschutzscheibe besteht aus zwei Scheiben mit einer doppelseitig klebenden Folie. Dies bildet das Verbundglas und schützt vor den UV-Strahlen. UV-B wird vollständig abgewiesen, UV-A kommt zu 0,03 Prozent hindurch.

Ein Diagramm zur UV-Durchlässigkeit von vier verschiedenen Autoscheiben. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Am besten schützen folienbeschichtete Scheiben. SRF

Eine normale Scheibe in Fahrer- und Beifahrertür besteht aus einem Glas, das heutzutage eine minime Blau- oder Grüntönung hat. Die Scheiben dürfen vom Schweizer Gesetz her nicht zu dunkel sein und müssen mindestens 70 Prozent des sichtbaren Lichtes durchlassen.

Durch diese Gläser gelangen noch 0,02 Prozent der UV-B-Strahlen – jedoch ganze 27,3 Prozent des UV-A-Bereichs: je nach Wellenlänge über 60 Prozent (siehe Grafik). Dermatologe Robert Hunger vom Inselspital Bern empfiehlt darum bei starker Sonneneinstrahlung, sich nach 30 Minuten Autofahrt zusätzlich zu schützen. So kann das Risiko für Hautkrebs und Hautalterung gesenkt werden.

Werden die Gläser noch stärker getönt, wie es für die hinteren Sitzreihen erlaubt ist, nimmt mit dem Tönungsgrad auch der Schutz gegen UV-A zu.

Den besten Schutz erreicht man durch Einsatz von Folien: Sie blocken UV-Strahlen komplett ab. Diese Folie kann für die hinteren Seitenfenster zusätzlich getönt sein – nicht so auf den vorderen Sitzen: Bei Fahrer- und Beifahrertüre sind nur transparente UV-Folien zugelassen. Kostenpunkt für zwei Gläser: ca. 250 Franken. Bei luxuriösen Autos können die Seitenfenster optional mit Verbundglas bestellt werden, aus dem gleichen Material also wie die Frontschutzscheibe.

Personen und vor allem Kleinkinder, die über mehrere Stunden dem grellen Sonnenlicht dicht hinter Autoscheiben ausgesetzt sind, sollten sich vor den Strahlen der Sonne schützen. Langärmelige Kleidung, Sonnenschutzfolien oder Sonnencremes reichen schon aus.

Faktoren, welche die Intensität der UV-Strahlung beeinflussen

SonnenstandJe höher die Sonne am Himmel steht, desto stärker ist die UV-Strahlung. Die höchsten Werte werden im Sommer (von Mai bis August) und über die Mittagszeit (von 11 bis 15 Uhr) erreicht.
BreitengradJe näher am Äquator ein Land liegt, desto höher steht die Sonne am Himmel. Deshalb nimmt von den Polen zum Äquator der UV-Index zu.
BewölkungSchleierwolken reduzieren die UV-Strahlung nur wenig, dichte Bewölkung senkt den UV-Index deutlich.
Höhe über MeerPro 1000 Meter Höhe nimmt die UV-Strahlung um 10 bis 15 Prozent zu.
SchneeReflektierende Oberflächen wie Schnee, Wasser, Sand erhöhen die UV-Strahlung um 20 bis 80 Prozent.
AerosoleAbhängig vom Gehalt an Partikeln und Gasen in der Luft wird die Strahlung gestreut und damit leicht reduziert

Quelle: Meteoschweiz

Und wie gefährlich ist die Strahlung im Schatten? Tatsächlich gelangen UV-Strahlen auch in den Schatten, Sonnenbrände hingegen sind eher selten.

Ob ein Sonnenschutz notwendig ist, hängt von der Art des Schattens ab: Hinter einem Haus oder unter einem dichten Sonnenschirm ist man relativ sicher, eine dünne Wolkendecke oder ein Blätterdach hingegen lassen eine beträchtliche Menge UV-Strahlung durch.

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