Zweieinhalb Monate auf der Welt: Endlich daheim!

Die Zwillinge Stefanie und Jasmin kamen über drei Monate zu früh zur Welt. Zweieinhalb Monate nach ihrer Geburt ist die Familie endlich vereint.

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Frühe Frühchen (4)

9:56 min, aus Puls vom 17.2.2014

Baby Stefanie hat sich inzwischen daheim schon eingewöhnt. Ihre Schwester Jasmin komplettiert gut zwei Wochen später die Familie: Drei Wochen vor ihrem errechneten Geburtstermin ist auch sie fit genug, um das Unispital Zürich zu verlassen. «Weil Stefanie gut aus dem Schoppen trinken konnte, war es klar, dass sie schon ein wenig früher heim darf als Jasmin», erklärt Mutter Franziska Holdener Stefanies frühere Entlassung.

Sie und ihr Mann Silvan Lütolf sowie der zweijährige Simon freuen sich, jetzt endlich beide Mädchen Tag und Nacht um sich zu haben – auch aus ganz pragmatischen Gründen. «Es hat jedes Mal doch fünf, sechs Stunden beansprucht, wenn man ins Krankenhaus gehen musste. Jetzt hat man die Zeit wieder für die Kinder und vor allem für Simon», freut sich Silvan Lütolf. Allein die Fahrt zur Frühchenstation hat täglich mindestens eineinhalb Stunden Zeit gefressen.

Dennoch: Angespannt sind die Eltern schon, als ihre Winzlinge Einzug daheim halten. «Man hat ja alles bis jetzt nur vom Spital gekannt. Und das ist natürlich ganz etwas anderes als daheim», sagt Franziska Holdener. «Mit Stefanie bin ich eher noch ein bisschen aufgeregter gewesen», gesteht Silvan Lütolf. «Wir haben eigentlich damit gerechnet, dass beide fast bis zum Geburtstermin im Spital sein würden.»

Bereit für das Leben Zuhause

Doch die Zwillinge erfüllten schon vorher die Reifekriterien der Ärzte: Erst wenn Atmung und Herzrhythmus stabil sind, die Kinder ihre Temperatur selbst regulieren können, Hunger anmelden und dann auch eine für die Gewichtszunahme ausreichende Nahrungsmenge zu sich nehmen können, dürfen sie das Spital verlassen. «Das ist einfach ein Erfahrungswert: Sobald die Kinder die Reifekriterien erreicht haben, kann man sie mit gutem Gewissen nachhause lassen», sagt Jean-Claude Fauchère, leitender Arzt der Klinik für Neonatologie am Unispital Zürich.

Bei aller Vorfreude erfahren die Eltern am Tag der Entlassung von Jasmin noch einmal einen Dämpfer. «Jasmin hat eine ganz kleine Öffnung zwischen zwei Herzkammern, die etwa zwei Millimeter gross ist», erklärt Jean-Claude Fauchère. Das ist der häufigste Herzfehler bei der Geburt. Die Chancen stehen jedoch gut, dass sich die Öffnung im ersten Lebensjahr von selbst noch verschliesst. Auch Jasmins Blutdruck ist noch zu hoch. Da steht noch eine Ursachenforschung an, gegebenenfalls muss sie dann Medikamente nehmen.

Engmaschige Kontrolle

So oder so werden die Mädchen auch weiterhin regelmässig Ärzte zu sehen bekommen. Die folgenden Entwicklungsuntersuchungen übernehmen spezialisierte Kinderärzte im Kinderspital Zürich. Die nächste steht spätestens vier Wochen nach dem eigentlichen Geburtstermin an. Danach folgen Tests zwei- bis dreimal im Jahr. Dabei werden die Entwicklung des Kindes, sein Verhalten und seine Motorik genau beobachtet – sicher bis zur Einschulung.

Bis das Leben mit den Zwillingen Normalität wird, braucht es noch einige Wochen. «Bei Stefanie war`s am Anfang daheim so, dass man immer wieder hingegangen ist und geschaut hat, ob sie noch atmet», berichtet Franziska Holdener von ihrer anfänglichen Unruhe. «Im Spital hat man natürlich die Sicherheit gehabt, dort sind sie angehängt gewesen, es hätte sofort geläutet, wenn es Probleme gegeben hätte.» Auch Jasmin werden die 27-Jährige und ihr Lebensgefährte erst einmal Tag und Nacht genau im Auge behalten, bis sie sich entspannen können.

Gewichts- und Grössenentwicklung der Frühchen

28.09.201330.09.201301.10.201310.10.201312.11.2013
Stefanie
Gewicht980 g1040 g1800 g2110 g
Länge35 cm37 cm43.5 cm
Jasmin
Gewicht1070 g1050 g1950 g3220 g
Länge38 cm38 cm41 cm47.5 cm

* Durchschnittliches normales Geburtsgewicht: 3200 Gramm (Mädchen) bzw. 3300 Gramm (Jungen)

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 17.02.2014 21:05

    Puls
    Husten, Mentaltraining, Frühchen

    17.02.2014 21:05

    • Hustenmittel – Nur die wenigsten wirken
    • Mit Mentaltraining zum Erfolg – auch im Berufsleben?
    • Frühchen (4/4) – Der Austrittstest aus dem Spital