Ist intensiver Sport gesund?

Medizin

«Sport ist Mord» – auch wenn übertrieben, beim Marathon trifft dieses Bonmot irgendwie zu. Das freut sicherlich jeden Sportmuffel. Nein, einen Marathon zu finishen, ist nicht gesund. Kurzfristig gesehen auf jeden Fall. Langfristig gesehen gibt es kaum etwas gesünderes.

Zürich Marathon 2019
Bildlegende: Das Herz ist nahe an einem Infarkt, die Niere kurz vor dem Kollaps, die Muskulatur übersäuert. Der Körper muss über die 42,195 Kilometer ziemlich viel aushalten. Und das spürt er noch Tage danach. Keystone

«Das gesündeste am Marathon ist die Vorbereitung», sagt einer, der es wissen muss: Viktor Röthlin, ehemaliger Schweizer Spitzenmarathonläufer. Eigentlich müsste man also die gesamte Vorbereitung absolvieren, den Marathon selbst jedoch auslassen. Oder sich zumindest nach dem Marathon lange erholen.

Gibt es eine Grenze zwischen ungesundem und gesundem Sport?

Es gibt «zu wenig» und es gibt «zu viel». Und um es noch komplizierter zu machen: das ist alles individuell. Damit der Körper einen Trainingsreiz erfährt, muss er gefordert werden, über das Übliche hinaus. Damit er daran aber wachsen kann, muss er sich erholen können. Belastung und Erholung müssen also aufeinander abgestimmt sein.

Wie trainiere ich richtig und gesund?

Andreas Lanz ist Inhaber vom Trainingscenter «Tatkraft» in Bern und Referent. Und er spricht gerne Klartext:

  • Der Körper wächst am Widerstand: Wenn ich einen Fortschritt erzielen will, muss der Trainingsreiz so intensiv sein, dass der Körper merkt, dass er sich anpassen muss (Superkompensation). Dieser Trainingsreiz ist ausserhalb der Wohlfühlzone und kurzfristig auch ausserhalb des Gesundheitssports.
  • Der Muskel wächst nicht während des Trainings, sondern während der Erholung: Im Training wird der Muskel eher geschwächt, während der Erholungsphase danach verbessert er sich. Diese muss also genügend lang sein. Ist die Erholungsphase jedoch zu lang, ist der Trainingsreiz wieder dahin.
  • Wir wissen nicht mehr, was eigentlich anstrengend ist: Wir sitzen zu viel und setzen uns nach dem Feierabend auf ein Fitnessgerät und schieben Gewichte hin und her. Mit einem zielbringenden Training hat das nichts zu tun. Wer etwas erreichen will, muss den Fokus auf die Intensität des Trainings legen.
  • Investieren Sie Ihre Energie nicht in Ausreden, investieren Sie sie ins Training: Niemand wird Sie über die Ziellinie tragen. Übernehmen Sie Verantwortung für sich selber und seien Sie ehrlich mit sich selber.

Moderation: Sandra Schiess, Redaktion: Brigitte Wenger