Kaufsucht: Ich shoppe, also bin ich

Einkaufen ist für viele Leute eine Lieblingsbeschäftigung. Vor allem jetzt, wo in allen Geschäften Ausverkaufsschnäppchen angeboten werden. Wird daraus jedoch eine Sucht, dann hört der Spass auf: Gut jeder 20. in der Schweiz gilt als kaufsüchtig und viele sind deswegen hoch verschuldet.

Mit der Kaufsucht wird oft ein emotionales Manko kompensiert.
Bildlegende: Mit der Kaufsucht wird oft ein emotionales Manko kompensiert. colourbox.com

Der Anteil ist bei Frauen fast doppelt so hoch wie bei Männern.

Überdurchschnittlich betroffen sind junge Leute zwischen 18 und 24. Was steckt hinter der Kaufsucht? Warum macht uns das Kauferlebnis glücklich? Woran erkennt man die Kaufsucht? Und wie kann man Betroffenen helfen? Tipps und Erklärungen von der DRS-Ratgeberpsychologin Colette Guillaumier.

Kaufsucht kompensiert emotionales Manko

Bei Kaufsüchtigen geht es primär um das euphorische Gefühl während des Kaufs. Oft verflüchtigt sich dieses Stimmungshoch bereits wieder beim Ladenausgang und die Ware landet zuhause unausgepackt in einem Schrank.

Mit der Kaufsucht wird oft nur ein emotionales Manko kompensiert. Gekauft wird bei Niedergeschlagenheit, nach deprimierenden Erlebnissen, bei innerer Leere, zur Beruhigung und zum Abbau von Spannungen und Ängsten.

Wer kaufsüchtig ist, beschäftigt sich auch während der Arbeitszeit mit Konsumwünschen. Viele empfinden beim Kauf gar keine Freude mehr. Die Neigung, sich Geld auszuleihen, ist bei Kaufsüchtigen viel stärker als bei Normalkonsumierenden.

Woran erkenne ich Kaufsucht:

  • Wenn «Entzugserscheinungen» entstehen: innere Unruhe, Kopfschmerzen, übermässige Beschäftigung mit dem Thema «Einkaufen».
  • Kaufsüchtige haben oft unnütze Sachen doppelt oder dreifach.
  • Wenn Kaufverhalten für zusätzliche emotionale Probleme oder Beziehungsprobleme sorgt (z.B. Lügen, Pflichten vernachlässigen, Schwierigkeiten bei Arbeitstelle, etc.)
  • Wenn man völlig über seinem Niveau lebt, Schulden anhäuft, bis hin zu Betreibungen.

Moderation: Adrian Küpfer, Redaktion: Christine Schulthess