Keine Show: seriöse medizinische Hypnose

Hokuspokus, Kontrollverlust, Leute, die freiwillig lächerliche Dinge tun – das stellt man sich unter dem Begriff «Hypnose» vor. Dabei handelt es sich bei der Hypnose um eine alte, bewährte Therapieform, die in den letzten Jahrzehnten neu entdeckt und wissenschaftlich akzeptiert wurde.

Frau auf der Liege bei einem Therapeuten.
Bildlegende: Sieht das nach einer Hypnose aus, so wie Sie sich diese vorstellen? colourbox.com

Stellen Sie sich vor, Sie schneiden sich in den Finger. Es blutet, und Sie sind damit beschäftigt, das Blut wegzuwischen, den Finger zu verarzten und zu entscheiden, wie schlimm der Schnitt ist. Spüren Sie einen Schmerz? Wahrscheinlich nicht. Denn Sie sind in einer Art Trance, in einem fokussierten Zustand, der Sie die richtigen Dinge tun lässt.

Trance lässt sich durch Hypnose erreichen

Eine solche oder ähnliche Trance lässt sich durch Hypnose herstellen. Hypnose ist also eher eine «Kommunikationsform auf verbaler und nonverbaler Ebene, die das Selbsthilfe-Potential, die kreativen Fähigkeiten und die Selbstheilungskräfte fördert». So definiert sie die Schweizerische Ärztegesellschaft für Hypnose SMSH.

«Sie zielt darauf ab, dem Patienten zu helfen, in verschiedene Formen von Trancen zu gelangen. Trancen sind veränderte, natürliche Bewusstseinszustände, die sich vom Alltagsdenken unterscheiden und in denen zum Beispiel die Aufmerksamkeit gebündelt werden kann, Gefühle verstärkt oder abgeschwächt werden, Wahrnehmungen wie Schmerzen verändert werden, die Kreativität des Patienten gesteigert und sinnesbezogener ist, und eine Öffnung für neue Lösungen möglich wird.»

Verschiedene Anwendungsbereiche

Die medizinische Hypnose kann laut der SMSH in verschiedenen Bereichen angewendet werden:

  • in der Psychosomatik können die körperlich erlebten Probleme schneller mit dem psychischen Erleben in Zusammenhang gebracht werden.
  • in der Anästhesie können Ängste abgebaut, Schmerzen reduziert und dadurch Medikamente eingespart werden.
  • In der Schmerztherapie können wirksame Reduktionen des negativen Erlebens erzielt werden.
  • in der Psychiatrie können psychotherapeutische Massnahmen erlebnisnäher gestaltet und damit unterstützt werden.
  • in der Geburtshilfe können Schwangere lernen, die Geburt gelassen oder gar als etwas Angenehmes zu erleben.
  • in der Pädiatrie können viele psychosomatische Probleme relativ rasch aufgelöst werden.
  • in der Zahnmedizin hilft die Hypnose vor allem ängstlichen Patienten, sich wohl zu fühlen und die Behandlung angenehm oder zumindest als banal zu erleben. Weiter kann sie helfen, den Würgreiz zu kontrollieren, das Angewöhnen an einen neuen Zahnersatz psychologisch zu unterstützen, sowie die Kaumuskulatur ideal zu entspannen. Es wird zudem sehr häufig eine schnellere Wundheilung beobachtet.

Ausserdem kann die Hypnose die Arzt-Patienten-Beziehung verbessern und als Selbsthypnose erlernt werden. Zertifizierte Hypnosetherapeuten sind über die untenstehenden Links zu finden.

Moderation: Stefan Siegenthaler, Redaktion: Brigitte Wenger