Soziale Medien: Soll ich mir falsche Freunde kaufen?

Das Internet ist voll mit dubiosen Diensten, die falsche Freunde für Facebook, Instagram und Co. verkaufen. Geht das wirklich so einfach? Und für wen lohnen sich solche Deals?

Falsche Freunde im Sonderangebot
Bildlegende: Falsche Freunde im Sonderangebot Colourbox

Wie viele Freunde sollen es denn sein? 500? 1000? Oder gleich 10'000? Die Preise jedenfalls sind verlockend: 500 Instagram-Followers gibt es für nur 5 Dollar; 1000 schlagen mit 7 Dollar zu Buche und 10'000 kosten 50 Dollar. Ausserdem wird 90 Tage lang garantiert, dass alle verlorenen Follower gleich wieder aufgefüllt werden.

Solche dubiosen Angebote finden sich im Internet zuhauf. Und in den meisten Fällen halten sie auch, was sie versprechen. Wer Geld für neue Follower ausgibt, erhält diese tatsächlich schon am nächsten Tag oder noch früher. Es sei denn, die neuen Freunde treffen nach und nach in 50-er-Päckchen ein, denn auch diese Möglichkeit lässt sich wählen.

Roboter-Konten

Allerdings: Es sind Freunde, die sich nur als Zahl bemerkbar machen, aber nie einen Kommentar oder ein Like abgeben werden. Denn hinter den gekauften Followern stecken entweder Roboter-Konten ohne menschliche Benutzer. Oder es sind verwaiste Konten, die auf welchem Weg auch immer von Dritten übernommen wurden. Nur in den seltensten hat man es mit echten Menschen zu tun, die auf dem sozialen Netzwerk tatsächlich noch aktiv sind.

Lohnt es sich, solche falschen Freunde zu kaufen?

  • Falsche Follower helfen höchstens denen, die in den sozialen Medien mit einer möglichst hohen Zahl von Freunden angeben wollen. Doch selbst, wenn sich andere täuschen lassen, bleibt einem selber das unschöne Wissen, dass es sich nicht um echte Freunde handelt.
  • Eine hohe Zahl von Followern lässt einen Kanal wichtig erscheinen. Er ist auch einer von vielen Faktoren, der die Algorithmen der sozialen Medien anweist, die Inhalte des Kanals möglichst prominent anzuzeigen. Bei falschen Followern kommt dem aber ein weiterer, noch wichtiger Faktor dazwischen: Das Verhältnis der Follower zu dem der Interaktionen, denn die falschen Freunde hinterlassen viel zu wenig Kommentare und Likes (in der Regel kommen auf 100 Follower zwei oder drei Interaktionen).
  • Soziale Medien können Konten, die falsche Follower gekauft haben, auf verschiedene Weise abstrafen: Das Konto kann zum Beispiel suspendiert oder ganz gelöscht werden. Auch das sogenannte «Shadow banning» ist möglich: Neu veröffentlichte Inhalte eines Kontos werden anderen Benutzern nicht mehr angezeigt, ohne dass die Kontoinhaberin das merkt.
  • Um die Dienste der Verkäufer von falschen Freunden in Anspruch zu nehmen, müssen in manchen Fällen die Zugangsdaten zum eigenen Konto weitergegeben werden. Wer das tut riskiert, dass danach unerwünschte Werbung über den eigenen Kanal verbreitet wird.
  • Verschiedene Merkmale deuten bei einem Konto auf falsche Freunde hin: Wenn die Zahl der Freunde über Nacht plötzlich stark steigt, also mehrere Hundert oder sogar Tausend neue Freunde dazukommen. Oder wenn das oben erwähnte Verhältnis der Follower zu dem der Interaktionen sehr tief ist. Und stammen die Freunde eines Kontos vor allem aus Regionen, zu denen der Inhaber oder die Inhaberin keinen Bezug hat, ist das ebenfalls ein Hinweis darauf, dass hier etwas nicht stimmt.

Moderation: Michael Brunner, Redaktion: Jürg Tschirren