Totgeburten dürfen kein Tabu sein

Medizin

Wer keine Tot- oder Fehlgeburt erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, wie sich betroffene Eltern fühlen. Man kann sich kein Bild machen, darum findet man auch keine Wörter. Nichts zu sagen scheint passender, als das falsche zu sagen. Doch das ist das falscheste, was man tun kann.

Leeres Kinderbett
Bildlegende: Alles ist bereit, nur das Kind fehlt. Colourbox

Stellen Sie sich vor: Sie erwarten ein Kind, bereiten alles vor, kaufen Bettchen und Kleidchen, freuen sich. Der Bauch der Frau wird grösser und grösser, man fühlt, wie sich das Kind bewegt, der Geburtstermin steht fast vor der Tür.

Alles ist bereit, nur das Kind fehlt

Doch plötzlich ist keine Regung mehr da, die Gynäkologin schaut ernst und sagt schliesslich: «Ihr Kind ist tot.»

Danach ist alles gleich, wie bei anderen Eltern: Das Kinderzimmer ist da, die Brüste der Frau sind gross. Nur das Kind fehlt. Anstatt Glückwünsche entgegen zu nehmen, schweigt die beste Freundin. Trauer anstatt Freudetränen. Für die Eltern dreht sich alles um das tote Kind, für das Umfeld ist das tote Kind tabu. Für die Eltern ist es so, als wäre ihr totes Kind, ihre Trauer allen anderen egal.

Uns fehlen die Wörter

Darum: Sprechen Sie die Eltern an. Sprechen Sie über die Totgeburt. Nichts zu sagen, ist schlimmer, als das falsche zu sagen.

Redaktion: Daniel Forrer, Brigitte Wenger