Bachmann-Preisträgerin Olga Martynova liest

Für den Text «Ich werde sagen: Hi!» hat die 1962 in Russland geborene Olga Martynova den Hauptpreis der 36. «Tage der deutschsprachigen Literatur» bekommen. «Reflexe» sendet die Lesung der Preisträgerin.

Blumen für ein «luftiges Porträt»: Preisträgerin Olga Martynova.
Bildlegende: Blumen für ein «luftiges Porträt»: Preisträgerin Olga Martynova. Keystone

Der mit 25 000 Euro dotierte Ingeborg-Bachmann-Preis ging damit an einen Text über einen jungen Mann, der sich gleichermassen für das Erwachen erotischer Gefühle und für Dichtung interessiert. Ein «leichtes, luftiges Porträt», wie die Jury lobte, von «anarchischem Witz» und mit frechem «Griff in die Menschheitsgeschichte».

Wettlesen mit unveröffentlichten Texten

Seit 1977 ist es ein alljährlich wiederkehrendes sommerliches Ritual: Vor Publikum, laufendenden Fernsehkameras und sieben gestrengen Jurorinnen und Juroren lesen vierzehn Autorinnen und Autoren aus ihren unveröffentlichten Texten.

Das Wettlesen findet jeweils in Klagenfurt statt, der Geburtsstadt von Ingeborg Bachmann. Es dauert von Donnerstag bis Samstag, und dann fiebern alle dem Sonntag entgegen, an dem verkündet wird, wer denn diesmal den Ingeborg-Bachmann-Preis entgegennehmen darf.

Preisträgerin mit russischen Wurzeln

Nun wissen wir es: Es ist Olga Martynova, die in Dudinka in Russland geboren wurde und heute in Frankfurt am Main lebt. Martynova veröffentlichte bislang Lyrik, diverse Essays und 2010 im kleinen, aber feinen Droschl-Verlag den vielgelobten Blog-Roman «Sogar Papageien überleben uns».

Zweiter Preis für Pubertätsgeschichte

Den zweiten Preis des Lesewettbewerbs, den mit 10 000 Euro dotierten Kelag-Preis, holte sich der in Polen geborene Matthias Nawrat, der derzeit am Schweizer Literaturinstitut in Biel seinen Abschluss macht und für die Schweiz im Rennen war. Auch er überzeugte mit einer skurrilen Pubertätsgeschichte: dem Porträt einer Familie, die sich ihre Schrotthändler-Existenz schönredet.

Keine Gnade hingegen fanden die beiden weiteren Schweizer Beiträge, Simon Froehlings Verquickung zweier Menschenschicksale mit einer Organtransplantation und Mirjam Richners Backfischschnulze über zwei junge Frauen in Not.

Autor/in: Franziska Hirsbrunner