Marshall McLuhan, Prophet unserer Gegenwart

Marshall McLuhan gilt als Gründervater der modernen Medientheorie. In den 60er Jahren revolutionierten seine gewagten Thesen die Art, wie wir Medien wahrnehmen. Zu seinem 100. Geburtstag wird der Denker wieder neu entdeckt.

So pointiert und visionär, wie Marshall McLuhan in den 1960er Jahren über Medien schrieb, tat dies kaum einer vor ihm. Für ihn war mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts die Ära des Buchs zu Ende. Neue Medien wie Telefon, Radio und Fernseher haben für McLuhan das elektrische Zeitalter eingeläutet.

McLuhan sagte das «globale Dorf» voraus

In diesem elektrischen Zeitalter ist für McLuhan die Welt zu einem «global village» geworden: Ein globales Dorf, in dem jeder mit jedem vernetzt ist. Wohlgemerkt: ein Gedanke, der McLuhan 1962 formulierte - über 30 Jahre vor der Verbreitung des Internets. Aber auch hinsichtlich des Computers oder der Zukunft des Buchs waren die Thesen von McLuhan prophetisch. 

Mit seinen Aussagen wurde Marshall McLuhan rasch zu einem gefeierten Intellektuellen - zu einem Professor mit Popstar-Status. Das Time Magazine etwa setzte seinen Kopf auf die Titelseite mit der Unterschrift: «Kanadas Intellektueller Komet». Doch mit seinem Tod 1980 gerieten der Kanadier und seine Thesen in Vergessenheit.

Ein widersprüchlicher Prophet

Heute jedoch, im Zeitalter des Internets, werden McLuhans Thesen allerorts wieder aus den Schubladen geholt: McLuhan wird als «Prophet des Internets» gefeiert - obschon er die Zukunft nicht nur positiv sah: McLuhan konnte sich zeitlebens nicht festlegen, ob er die von ihm beschriebene Zukunft begrüssen oder schlicht verabscheuen sollte.  

Zum 100. Geburtstag von McLuhan am 21. Juli nähert sich «Reflexe» diesem visionären wie widersprüchlichen Denker an. Christian Gebhard hat dazu mit McLuhan-Kenner und Professor Philipp Schweighauser von der Universität Basel gesprochen.

Autor/in: Christian Gebhard