Die grösste Gefahr für Heli-Piloten

«Kabel!», sagt Pilot Rick Maurer ohne Zögern. Heuseile, Telefonkabel und Stromleitungen sind gefährliche Hindernisse für die Rettungsfliegerei, weil sie oft nur sehr schlecht zu erkennen sind. Zum Teil sind es Kabel, die gar nicht mehr gebraucht werden.

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Mit Technik und Aufmerksamkeit gegen die Gefahr

2:32 min, vom 23.9.2016

Als Luftfahrthindernis gelten Kabel, wenn sie ausserhalb von überbauten Zonen eine Höhe von mindestens 25 Metern aufweisen. Was tiefer liegt, ist nicht auf der Gefahrenkarte eingetragen.

Die technischen Hilfsmittel im Helikopter haben sich in den letzten 10 Jahren laut Pilot Rick Maurer ziemlich verbessert:

  • Die Moving Map ist eine digitale Karte zum Ein- und Auszoomen. Alle Kabel über 25 m sind rot eingezeichnet, alle Hochspannungsleitungen blau.
  • Seit 10 Jahren gibt es im Rega-Heli zusätzlich das FLOICE (flight voice), ein Kollisionswarnsystem für fixe Installationen, mit akustischer Sprachausgabe. Die Kabelkarten sind im Hintergrund von FLOICE hinterlegt. Wenn Pilot Maurer also auf ein Kabel zufliegt, sagt ihm eine freundliche Frauenstimme mit akustischer Warnung, dass er auf ein Kabel zufliegt und wie weit es noch entfernt ist. So kann er auf der Karte und dann visuell selbst lokalisieren, wo das Kabel genau ist.
  • Im gleichen Gerät integriert ist auch ein FLARM (flight alarm), ein akustisches Warnsystem für den beweglichen Flugverkehr. Wenn ein Segelflieger in der Nähe ist, ein anderes Flugzeug oder weitere Helis, oder ein damit ausgerüsteter Gleitschirmflieger, dann meldet die akustische Warnung in etwa Position und Distanz
  • Die Rega-Helikopter sind ausserdem mit einem TAS (traffic avoidance system) ausgerüstet. Dieses System funktioniert im Zusammenhang mit dem Transponder. Jedes Luftfahrzeug in der Schweiz sollte mit einem Transponder ausgerüstet sein.
Rick Maurer ist seit 9 Jahren Pilot bei der Rega und seit 3 Jahren Basisleiter in Wilderswil. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rick Maurer ist seit 9 Jahren Pilot bei der Rega und seit 3 Jahren Basisleiter in Wilderswil. SRF

«Technik ist immer gut und ich vertraue ihr auch», erklärt Rick Maurer. «Ich gehe jedoch nach dem Prinzip: es gibt kein 100%iges Vertrauen. Technik ist ein Hilfsmittel, aber das Ausschau halten nach anderen Luftfahrzeugen und Hindernissen ist immer noch besser.» Das Wetter schränke auch ein, mit neuen technischen Möglichkeiten und der Instrumentenflugausbildung könne er aber heute zum Beispiel auch bei Nebel und Wolken auf einer Instrumentenflugroute über den Gotthard fliegen. Früher musste die Rega bei schlechtem Wetter Patienten in Airolo auf die Ambulanz verladen und in Göschenen wieder in einen anderen Heli einladen. «Bei Einsätzen in der Eigennordwand oder dem Jungfraujoch hingegen reicht die Technik allein nicht. Technik ist gut, aber den Menschen wird es in der Luftrettung noch lange brauchen.»

Projekt Remove

Es gibt viele Kabel, die nicht mehr gebraucht werden. «Wenn ein Landbesitzer ein nicht mehr benötigtes Kabel auf seinem Land hat, kann er sich auf jeder Rega-Basis oder unter Telefon 1414 melden», erläutert Pilot Maurer. «Die Ansprechperson verzeichnet das Kabel auf einer Karte und das gefährliche Luftfahrthindernis wird dann kostenlos von Spezialisten der Armee und zivilen Partnern abgebaut und entsorgt.»

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 23.09.2016 21:00

    DOK - Rega 1414
    Zwischen Guttannen und Mallorca – Folge 4

    Rega 1414, Folge 4

    Pilot Rick Maurer und die Crew von Rega 10 fliegen zum Ritzlihorn bei Guttannen. Ein Kletterer ist in Not. Eine Nachtschicht für die Crew von Bern-Belp am Stadtfest von Le Locle und ein Traktoren-Unfall mit einem Schwerverletzten in Sarnen: Die Retter aus der Luft sind wieder unterwegs.