Wenn der Sessellift stecken bleibt

Jeder Skifahrer hat sich schon einmal überlegt, was passieren würde, wenn die Seilbahn oder der Sessellift stecken bleibt. Für diese Notsituation gibt es detaillierte Bergungs- und Rettungspläne. Die Crew von Rega 10 in Wilderswil übt den Ernstfall.

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Höchste Präzision

4:55 min, vom 2.9.2016

Technischer Defekt. Der Arvenlift auf der Kleinen Scheidegg läuft nicht mehr. Die Passagiere sitzen fest und müssen evakuiert werden. Auch solche Einsätze gehören zum Aufgabenbereich der Crew von Rega 10. Heli-Pilot Rick Maurer, Rettungssanitäter Marco Lei und Notärztin Chimena Notter wissen, dass es sich um eine Übung handelt. Dennoch sind volle Aufmerksamkeit und präzise Kommunikation gefragt.

Übung für den Ernstfall: Evakuation der Sesselbahn-Passagiere Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Übung für den Ernstfall: Evakuation der Sesselbahn-Passagiere SRF

Die Rega ist in einem solchen Fall für die Evakuierung der Passagiere zuständig. Mittels eines unten am Heli befestigten Seils, der sogenannten Longline, sollen die Passagiere an einen sicheren Ort geflogen werden. Alles, was unten am Seil passiert, ist Aufgabe des Rettungsspezialisten Helikopter (RSH), der vom Schweizer Alpenclub SAC gestellt wird.

Pilot Rick Maurer setzt den Rettungsspezialist auf dem ersten Sessel ab. Während der Rega-Heli den nächsten Retter für den nächsten Sessel holt, verteilt der Retter Sitzgurte an die Insassen. Diese Gstältli gleichen einer grossen Windel, die nun angezogen werden muss. Sind zwei Passagiere bereit zum Ausfliegen, informiert der Retter per Funk den Heli. Diese werden dann mittels Karabiner mit der Longline verbunden und mit dem Schritt ins Leere schweben die beiden hoch über dem Boden aus dem Sessel.

Rettungsänitäter und Windenoperateur: Marco Lei Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rettungsänitäter und Windenoperateur: Marco Lei SRF

Für den Piloten ist erschwerend, dass die Kabel des Sesselliftes durch den Wald verlaufen. Die Tragkabel der Bahn fordern höchste Aufmerksamkeit und fliegerisches Können von Pilot Rick Maurer, da der Heli mit der Longline relativ nahe an die Kabel rankommt. Für Windenoperateur Marco Lei ist Präzision zentral: zuerst den Retter beim starken Abwind der Rotoren sicher an den Sessel zu bringen und dann die Passagiere auszufliegen. Besonders anspruchsvoll wird es, wenn der Sessel direkt beim Mast ist, damit das Rettungsseil nicht die Rollen touchiert. Mit beeindruckender Effizienz befreit die Crew von Rega 10 im Minutentakt die feststeckenden Gäste sicher aus ihrer misslichen Lage.

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Retter aus der Luft

Die fünfteilige «DOK»-Serie «Rega 1414 – Hilfe naht», ab 2. September 2016, jeweils freitags, 21 Uhr, SRF1.

Jeder Skifahrer hat sich schon mal überlegt, was passieren würde, wenn die Seilbahn oder der Sessellift steckenbleibt. Das Sicherheitsmanagement bei Schweizer Seilbahnen und Skiliften umfasst detaillierte Bergungs- und Rettungspläne, falls trotz aller Vorsichtsmassnahmen einmal eine Bahn steckenbleiben sollte. Der Bund schreibt vor, dass die Bahnbetreiber eine Rettung innerhalb von 3.5 Stunden gewährleisten müssen, bei Sesselliften gilt eine Dauer von 2.5 Stunden.

Eine solche Seilbahn-Evakuation ist ein Szenario, welches die Rega zusammen mit der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) regelmässig übt. Retterinnen und Retter der ARS werden über die Alarmnummer 1414 aufgeboten. Die rund um die Uhr besetzte Alarmzentrale der Rega koordiniert alle Einsatzmittel und gewährleistet so die rasche und zweckmässige Evakuierung. Die Alpine Rettung Schweiz ist eine selbständige, gemeinnützige Stiftung, getragen durch die Rega und den Schweizer Alpen-Club SAC.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 02.09.2016 21:00

    DOK - Rega 1414
    Zwischen Gletscher und Athen – Folge 1

    Rega 1414, Folge 1

    Sie sind jeden Tag im Einsatz. Die rot-weissen Helikopter aber auch die Jets der Rega. Die fünfteilige «DOK»-Serie «Rega 1414 – Hilfe naht» begleitet Crews in Helikopter und Ambulanz-Jet im In- und Ausland. Verschiedene Protagonisten geben der Rega ein Gesicht. Ein Blick hinter die Kulissen.