Worauf es beim Drehen von «Rega 1414» ankam

Alltag statt Action. Beobachtung statt Inszenierung. Respekt statt Drama. Diese drei Leitsätze standen für uns im Mittelpunkt der ganzen Produktion der aktuellen «DOK»-Serie über die Rega.

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Rega Making of

2:04 min, vom 2.9.2016

Die Einsätze der Retter auf der Helikopter-Basis und an Bord des Rega-Ambulanzjets zu dokumentieren, erforderte von unserer Seite eine Vorbereitung, die grösser war als bei anderen Serien. Denn es galt die Arbeit der Retter zu filmen, ohne sie zu behindern oder gar Rettungseinsätze zu verzögern. Ausserdem war es unser Anspruch, die Würde der Verunfallten jederzeit zu wahren, und sie nicht einfach mit Kameras zu überrumpeln.

Bei den Einsätzen auf der Heli-Basis in Wilderswil und Belp flog die TV-Crew in einem eigens von SRF gemieteten Begleithelikopter. Alle Aufwände in Zusammenhang mit den Dreharbeiten übernahm SRF. Wir informierten Polizei und Spitäler der entsprechenden Regionen bereits im Vorfeld der Dreharbeiten. Sie gaben ihr Einverständnis, so dass wir die Heli-Retter und die Patienten bis zur Übergabe an die Mediziner im Spital mit der Kamera begleiten konnten. Am Unfallort liessen wir die Kamera jeweils ruhen, bis uns Patienten oder Angehörige ihre Einwilligung zum Drehen gaben. In wenigen Fällen haben wir aus der Distanz gefilmt und das Einverständnis der Patienten im Nachhinein eingeholt. Nur selten kam von den Patienten ein Nein oder die Bitte, das Gesicht zu verfremden.

Unzählige Male auf Standby

Bei den Jet-Einsätzen war die Planung noch komplexer, da innerhalb der geringen Vorlaufzeit viele Fragen geklärt werden mussten. Um eine Repatriierung begleiten zu können, mussten mehrere Faktoren gewährleistet sein: Ein Gesundheitszustand des Patienten, welcher eine Begleitung erlaubt, die Zusage des Patienten oder der Angehörigen im Vorfeld, genügend Platz für die TV-Crew sowie der Arbeitseinsatz einer unserer Protagonisten, Flight Nurse Yvonne Horisberger oder Pilot Philipp Simmen. Weiter mussten dann Drehbewilligungen der ausländischen Spitäler und Ambulanzen eingeholt werden. Meistens mussten diese Abklärungen innerhalb weniger Stunden erfolgen. Wir waren unzählige Male auf Standby und konnten am Ende die Repatriierung nicht begleiten.

Keine Effekthascherei

Bei allen Jet- und Helikopter-Einsätzen, die nun in der Serie gezeigt werden, haben wir im Nachhinein nochmals die Patienten schriftlich um ihr Einverständnis gebeten. In gewissen Momenten stellten wir aus Rücksicht auf die Beteiligten die Kameras ab, denn unser Fokus galt den Rega-Crews und ihrer Arbeit, und nicht dem detaillierten Verletzungszustand einer verunfallten und leidenden Person.

Sie sind jeden Tag im Einsatz: Die rot-weissen Helikopter und die Ambulanz-Jets der Rega. Normalerweise ohne Filmcrews, die ihre eigenen Bedürfnisse haben, um eine gute Geschichte erzählen zu können. Die Präsenz einer Kamera verändert die Wahrnehmung und das Verhalten. Deswegen galt es zu Beginn, die Rega-Protagonisten davon zu überzeugen, dass wir unsere drei Leitsätze ernst nehmen und auch umsetzen. Die Rega-Crews haben uns offen und freundlich empfangen und in ihre Abläufe integriert, und mit der Zeit wuchs das gegenseitige Vertrauen.

Für uns TV-Autoren bleiben die für beide Seiten anspruchsvollen Dreharbeiten ein unvergessliches Erlebnis – herzlichen Dank an alle Beteiligten für das Ermöglichen einer Serie, die versucht, abseits der gängigen Doku-Soaps einen dokumentarischen Einblick zu geben in den wahren Alltag der Schweizerischen Rettungsflugwacht.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 16.09.2016 21:00

    DOK - Rega 1414
    Zwischen Napfgebiet und Italien – Folge 3

    Rega 1414, Folge 3

    Eine Rettungsaktion im Napfgebiet von Rega 10, Jet-Pilot Philipp Simmen und Flight Nurse Yvonne Horisberger unterwegs nach Italien und Heli-Pilot Rick Maurer beim Transportieren von Teer und Holzstämmen: Die rot-weissen Helikopter und Jets der Rega sind jeden Tag im Einsatz.