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Sommerserie 2020 Rendez-vous im Dialog mit der Welt: Afrika und die EU

Dass in Europa Menschen gegen Rassismus auf die Strassen gehen, wird in Afrika begrüsst. Gleichzeitig wird der EU «Scheinheiligkeit» vorgeworfen. Wie die Rassismus-Debatten geführt werden, diskutieren Afrika-Korrespondentin Anna Lemmenmeier und EU-Korrespondent Charles Liebherr mit Brigitte Kramer.

«Black Lives Matter»: Demonstrationen in Europa – Wut in Afrika

Statue von König Leopold II in Brüssel.
Legende: Statue von König Leopold II. (1835 - 1909) in Brüssel. Leopold war Anhänger kolonialistischer Ideen und gründete in Zentralafrika den offiziell eigenständigen Kongo-Freistaat, dessen absoluter Monarch und persönlicher Eigentümer er bis 1908 war. Die einheimische Bevölkerung wurde dabei misshandelt und ausgebeutet. SRF / Charles Liebherr

Seit dem Tod des dunkelhäutigen George Floyd bei einer Polizeikontrolle in den USA kommt es auch in europäischen und afrikanischen Städten zu Protesten gegen Rassismus. Die «Black-Lives-Matter»-Bewegung wird aber unterschiedlich wahrgenommen. In Brüssel zum Beispiel, so EU-Korrespondent Charles Liebherr gebe es viele Weisse, die sich für die koloniale Vergangenheit ihres Landes schämen. Gleichzeitig erleben dunkelhäutige Einwanderer bis heute fast täglich unterschiedliche Formen von Diskriminierung. In Afrika werden die Proteste begrüsst, aber auch kritisiert, sagt Afrika-Korrespondentin Anna Lemmenmeier. Einerseits würde in Europa Rassismus verurteilt, gleichzeitig lasse man Migranten auf dem Mittelmeer ertrinken. Das werde von Afrikanerinnen und Afrikaner als scheinheilig angesehen. Zudem würden sich die Leute wünschen, dass die Welt auch hinsehe, wenn in Afrika Menschen durch Polizeigewalt sterben, was leider immer wieder vorkomme.

Das schwere Erbe des Kolonialismus

Haye Makorani-a-Mungase VII.
Legende: Haye Makorani-a-Mungase VII., König der Pokomo, einer Volksgruppe in Kenia. Er setzt sich für die Rückgabe einer Trommel ein. Bis heute lagern in europäischen Museen Kulturgüter, welche Händler, Missionare und Wissenschaftler während der Kolonialzeit erbeutet und nach Europa gebracht haben. SRF / Anna Lemmenmeier , Link öffnet in einem neuen Fenster

Der Kolonialismus ist Teil der Geschichte, sowohl für Afrika als auch für Europa. Wir sprechen darüber, wie schwierig der Umgang mit dieser Vergangenheit ist, und wie sehr er das Verhältnis zwischen den beiden Kontinenten bis heute prägt. Exemplarisch zeigt sich das an den vielen afrikanischen Kulturgütern, die heute noch in europäischen Museen lagern, in Berlin, London, Paris oder Brüssel zum Beispiel. Seit einigen Jahren sind in Europa Bestrebungen im Gange, diese während der Kolonialzeit gestohlenen Kunst- und Kulturgegenstände zurückzugeben. Trotzdem tut man sich schwer damit. Warum? Inwiefern illustriert die Debatte um afrikanische Raubkunst ein Umdenken auch in anderen Bereichen? Wie wird das auf dem afrikanischen Kontinent aufgenommen? Und was macht das mit einem Kontinent, der eines beträchtlichen Teils seines Kulturgutes beraubt wurde?

EU – Afrika: Migration als Schlüsselthema

Flüchtlinge sitzen in der Nacht auf dem Schiffsdeck.
Legende: Flüchtlinge harren auf einem Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation «Mission Lifeline» aus und warten, bis ein Land das Schiff anlegen lässt. Keystone

Hunderttausende von Menschen sind in den vergangenen Jahren von Afrika nach Europa aufgebrochen, auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Wir alle kennen die Bilder von überfüllten Flüchtlingsbooten auf dem Mittelmeer, von Ertrunkenen und vom Elend in libyschen Lagern. In der Hoffnung auf mehr Sicherheit und Wohlstand, riskieren die Menschen ihr Leben. Europa tat sich schwer, schwankte zwischen «Wir schaffen das» und «Macht die Grenzen dicht». Und bis heute gelingt es der EU nicht, einen Weg zu finden, um die Migrantinnen und Migranten auf ihre Mitglieder zu verteilen, sie aufzunehmen. Fazit: Der EU wäre es lieber, die Menschen aus Afrika würden gar nicht erst kommen, sagt Charles Liebherr. Dabei könnte Europa von der Migration auch profitieren. Auf der anderen Seite tun afrikanische Regierungen wenig bis nichts, um ihre jungen, gut ausgebildeten Leute im eigenen Land zu halten , ihnen eine Perspektive in der Heimat zu bieten. Nicht zuletzt auch, weil die Gelder, welche die Migranten nach Hause schicken, sehr willkommen sind, erklärt Afrika-Korrespondent Samuel Burri .

Strom und Strassen: Schlüssel zum wirtschaftlichen Aufschwung Afrikas

Arbeiter in Kobaltmine Katanga.
Legende: Arbeiter in der Kantanga Kobalt-Mine in der Demokratischen Republik Kongo. Reuters

«Was in Afrika geschieht, ist auch für Europa von Bedeutung und umgekehrt. Unsere Partnerschaft ist eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft.» Dies sagte der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker anlässlich eines Gipfeltreffens zwischen der Afrikanischen Union und der EU. Das Stichwort Partnerschaft ist auch für Junckers Nachfolgerin Ursula von der Leyen zentral, wenn es um die Zusammenarbeit mit Afrika geht. Unter anderem mit Investitionen und der Schaffung von Arbeitsplätzen will Europa die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu Afrika vertiefen. Afrika soll nicht primär als Krisenkontinent wahrgenommen werden, sondern als Wirtschaftsraum mit grossem Potential. Wie aber sieht eine wirtschaftliche Zusammenarbeit aus, von der beide Seiten profitieren können? Welche Interessen verfolgt Europa? Was für Ziele und Bedürfnisse hat man in Afrika? Um die Wirtschaft in vielen afrikanischen Ländern in Schwung zu bringen, bräuchte es vor allem Investitionen in die Infrastruktur, erklärt Afrika-Korrespondentin Anna Lemmenmeier. In den letzten Jahren haben viele chinesische Unternehmen in afrikanische Infrastrukturprojekte investiert. Es sei sicher auch ein Ziel Europas, hier den Chinesen etwas entgegenzuhalten, so EU-Korrespondent Charles Liebherr.

Afrika, Europa und ihr digitales Potential

Geldscheine in der einen Hand, ein Handy in der anderen.
Legende: Bargeld gegen Digital-Geld. Der Online-Dienst M-Pesa macht's möglich - eine digitale Innovation, made in Africa. Reuters

Internet gibt es in Afrika längst nicht flächendeckend. Und auch sonst fehlt es oft an modernster Technologie. Dennoch sehen Fachleute in der Digitalisierung grosse Chancen für den Kontinent. Und tatsächlich gehen schon einige Errungenschaften auf den Innovationsgeist junger Afrikanerinnen oder Afrikaner zurück. Bezahl-Apps zum Beispiel sind mancherorts schon längst etabliert. Hinzu kommt, dass Afrikas Bevölkerung jung ist und kaum Schwierigkeiten bekundet mit digitalen Neuerungen. Auch Firmen aus Europa sehen Potential in der Digitalisierung Afrikas. Wo? Und wie kann man sicherstellen, dass das erwirtschaftete Geld nicht nach Europa abfliesst? Brigitte Kramer spricht darüber mit EU-Korrespondent Charles Liebherr und Afrika-Korrespondent Samuel Burri.