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Sommerserie 2019 Rendez-vous mit Moskau

Moskau: das Machtzentrum Russlands ist die mit rund 12 Millionen Einwohnern grösste Metropole auf europäischem Boden. Im Gespräch mit Marc Lehmann stellt SRF-Russland-Korrespondent David Nauer seine Wahlheimat vor – er kennt Moskau seit gut 20 Jahren.

Der Rote Platz – das Machtzentrum Russlands

David Nauer
Legende: David Nauer auf dem Roten Platz in Moskau, im Hintergrund der Kreml, der Regierungssitz von Präsident Wladimir Putin. SRF

Der Rote Platz ist die Top-Sehenswürdigkeit Moskaus. Er wird vom Kreml, der Basilius-Kathedrale und dem Kaufhaus GUM eingerahmt. Auch das Lenin-Mausoleum steht hier, dort ist immer noch der einbalsamierte Leichnam des Revolutionsführers aufgebahrt. Der Rote Platz spielt in der russischen Geschichte eine zentrale Rolle: hier wurden Zaren gekrönt, Feinde des Regimes hingerichtet, Militärparaden abgenommen – und heute schlendern Touristen eis-schleckend über den gigantischen Platz und kaufen kitschige Souvenirs, die überall feilgeboten werden. Aber der Rote Platz hat auch noch immer eine politische Bedeutung: Am 9. Mai zum Beispiel wird immer noch das Weltkriegsende, der «Tag des Sieges», mit einer gigantischen Militärparade gefeiert. Dabei können die Machthaber demonstrieren, wie furchteinflössend die ehemalige Weltmacht noch immer ist. Wer Russland verstehen will, muss den Roten Platz kennen.

David – unser Mann in Moskau

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David Nauer ist in der Nähe von Zürich aufgewachsen. Der Osten Europas fasziniert ihn schon lange: er hat Osteuropäische Geschichte und Russische Literatur studiert. Vor genau 20 Jahren ist er zum ersten Mal nach Moskau und St. Petersburg gereist. Später arbeitete er für den «Tages-Anzeiger» als Korrespondent in Moskau und Berlin. 2015 wechselte er zu Radio SRF und ging zurück nach Moskau, von wo er über Russland, die Ukraine, den Kaukasus und Zentralasien berichtet.

Skolkovo – das russische Silicon Valley

David Nauer
Legende: David Nauer im Technologiepark Skolkovol. Dort besucht er die Firma Sputnix. Das Unternehmen stellt Mini-Satelliten her. SRF

Nach dem Besuch auf dem Roten Platz, wo Russland gross und mächtig ist, will David Nauer dem innovativen Russland auf die Spur kommen: In Skolkovo, einem Ort vor den Toren Moskaus, der als russisches Silicon Valley gilt. Skolkovo wurde vor neun Jahren vom heutigen Ministerpräsidenten Medwedew ins Leben gerufen in der Zeit, als dieser für eine Amtsperiode Vladimir Putin an der Staatsspitze ablöste. Der Technopark ist ein Paradies für Start-up-Firmen und junge Tüftler, die ihren Entwicklungen zum Durchbruch verhelfen wollen. Das ist deshalb ungewöhnlich, weil das Land noch immer vor allem von seinen Rohstoffen lebt und auf Staatskapitalismus setzt. Technologisch hat Russland, ausser vielleicht bei Waffensystemen, den Anschluss weitgehend verloren. Doch: Talente gibt es genug in Russland, und in Skolkovo wird versucht, die ehemalige Weltmacht wieder konkurrenzfähig zu machen für den Weltmarkt – damit Russland künftig mehr anzubieten hat als nur Treibstoff.

Die Gastarbeiter bleiben unter sich

David Nauer
Legende: David Nauer im Gastarbeiter-Restaurant «Osch-City». SRF

Nun geht es zu den den weniger Privilegierten von Moskau: den Gastarbeitern aus Zentralasien. Hunderttausende Menschen aus ehemaligen Sowjetstaaten wie Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan leben in der russischen Metropole und verrichten dort die Arbeiten, für die sich die Moskauerinnen und Moskauer zu schade sind. Oft schuften die Arbeitsmigranten bis zur Erschöpfung auf Baustellen, Märkten oder in der Reinigung – und trotzdem werden sie mehr geduldet als geschätzt. Oft schlägt ihnen gar offen Verachtung entgegen, und sie werden in vielen Bereichen des Alltags diskriminiert. Weil die meisten Menschen aus Zentralasien Muslime sind, werden sie von vielen misstrauisch beäugt.

So leben die «Gastarbajtery», wie sie mit einem aus dem Deutschen entlehnten Wort bezeichnet werden, in Moskau oft in ihrer eigenen Welt, treffen sich in Sport- oder Kulturklubs, in Bars und Restaurants. David Nauer hat so einen Treffpunkt aufgesucht, das Restaurant «Osch City», um zu erfahren, wie es den Gastarbeitern so ergeht.

Das neue Moskau für die Zugewanderten

David Nauer auf dem Dach eines Wohnblocks in Moskovy
Legende: David Nauer auf dem Dach eines Wohnblocks der Satellitenstadt Moskovy. SRF

Schon von Alters her war Moskau ein Anziehungspunkt, und auch heute strömen von überall her die Menschen nach Moskau, auf der Suche nach Arbeit, nach Chancen, nach einem besseren Leben. Zum einen sind das die Gastarbeiter aus Zentralasien, die ihr Glück in der russischen Metropole suchen. Aber auch aus allen Teilen Russlands ziehen die Menschen nach Moskau, um sich dort für einige Jahre oder gleich für immer niederzulassen.

Wo sollen diese Zuzüger leben, zumal in den nächsten Jahren die Ankunft einer weiteren Million erwartet wird? Der Wohnraum ist jetzt schon knapp, und die hastig zu Sowjet-Zeiten aufgestellten Plattenbauten in den Satellitenstädten bieten keinen zeitgemässen Wohnkomfort mehr. Deshalb werden derzeit am Stadtrand neue Siedlungen aus dem Boden gestampft, welche die Wohnungsnot lindern sollen. Neue Siedlungen ziehen auch andere Infrastrukturprojekte nach sich, wie etwa die Verkehrsverbindungen, die erst noch gebaut und finanziert werden müssen.

In der Kunst-Garage im Gorki-Park

David Nauer
Legende: David Nauer in der «Garage». Das ehemalige Feinschmeckerlokal ist heute ein Museum für Gegenwartskunst. SRF

Moskau ist nicht nur russische Hauptstadt, die Stadt der Politik und Wirtschaft, es ist auch die Stadt der Kultur. Eine Vielzahl von Theatern, Musikclubs und Museen buhlt um die Gunst des Publikums. International bekannt sind vor allem die Institutionen, die sich der klassischen Kunst widmen.

Doch auch die moderne, junge Kultur breitet sich immer weiter aus – ihre Aushängeschilder sind Internet-Designer, Modeschöpferinnen, Architekten. Und diesen Leuten bietet sich in der 12-Millionen-Metropole eine Fülle von Möglichkeiten.

Ein Zentrum des neuen, trendigen Moskaus ist die «Garage»-Artgalerie – ein ehemaliges Edelrestaurant, das zum Museum für Gegenwartskunst umgebaut wurde. Die Galerie befindet sich im berühmten Gorki-Park, der bekanntesten Grünfläche Moskaus, und sie führt auch Workshops, Konzerte und viele weitere kulturelle Veranstaltungen und ist so zu einem Anziehungspunkt für die russische Avantgarde geworden. Die Mäzenin Dascha Schukowa hat die «Garage» ins Leben gerufen – die junge Unternehmerin war früher mit dem bekannten Oligarchen und Besitzer des Londoner Fussballclubs Chelsea, Roman Abramowitsch, liiert und verfügt über die nötigen finanziellen Mittel.