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Sommerserie 2019 Rendez-vous mit Warschau

In unserem Rendez-vous mit der Welt sind wir diese Woche in Warschau, der Hauptstadt Polens. Ivana Pribakovic lässt sich von Osteuropa-Korrespondent Roman Fillinger und Osteuropa-Korrespondentin Sarah Nowotny die Stadt und ihre Geschichte zeigen.

Der geschichtsträchtige Platz

Roman Fillinger
Legende: Der Pilsudski-Platz ist von zentraler Bedeutung für Polen, erklärt Roman Fillinger. SRF

Auf dem Pilsudski-Platz hat Papst Johannes Paul II. 1979 seine legendäre Messe im damals noch kommunistischen Polen abgehalten, hier steht das umstrittene Denkmal, das an den Flugzeugabsturz von Smolensk erinnert, bei dem unter anderen Lech Kaczynski, der damalige Präsident und Bruder von PiS Chef Jaroslaw, umgekommen ist. Hier steht seit letztem Jahr auch die nicht minder umstrittene Statue von Lech Kaczynski. Kurzum: Ganz besonders unter der PiS-Regierung, die stark mit Geschichte und Symbolen Politik macht, ist der Platz des Unabhängigkeitshelden wieder zu einem zentralen Platz der polnischen Politik geworden.

Roman Fillinger – unser Mann in Warschau

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Seit Ende 2018 lebt Roman Fillinger in Warschau und berichtet zusammen mit Sarah Nowotny als Korrespondent über Osteuropa. Er hat in Zürich und Wien Politikwissenschaften und Volkswirtschaft studiert und am MAZ die Diplomausbildung Journalismus absolviert. Nach Abstechern zum EDA und zu Amnesty International kam er zu SRF 2 Kultur, wo er unter anderem das Auslandmagazin „Atlas“ aufbaute. Später arbeitete er gut zehn Jahre beim „Echo der Zeit“, sieben Jahre lang moderierte er die Sendung.

Polen - das Wirtschaftswunderland

Sarah Nowotny
Legende: Sarah Nowotny vor dem Verkehrskreisel Rondo Daszynskiego, der nach einem sozialistischen Politiker benannt ist. SRF

Polen ist ein Wirtschaftswunderland. Die Wirtschaft hat sich prächtig entwickelt, die Zahlen sind im Vergleich zu anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks beeindruckend. Ein Ort, an dem man das besonders gut sehen kann, ist der Rondo Daszynskiego in Warschau – ein Verkehrskreisel im Stadtteil Wola, Warschaus neuem Finanzzentrum. Hier schiesst ein Wolkenkratzer nach dem anderen aus der Erde, hier fahren teure Autos vorbei. Polen boomt, hat als einziges europäisches Land nach der Finanzkrise keine Rezession erlebt. Der Staat mischt kräftig mit – nicht zur Freude aller.

Sarah Nowotny – unsere Frau in Warschau

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Sarah Nowotny lebt seit Ende 2018 in Warschau, von wo aus sie zusammen mit Roman Fillinger über Osteuropa berichtet. Aufgewachsen ist sie in Hamburg und Bern. In Bern hat sie Englische und Französische Literatur sowie Philosophie studiert. Gepackt hat sie der Journalismus im Studium, angefangen hat sie auf der Lokalredaktion des Berner «Bund». Danach Redaktorin beim «Bund», später in der Bundeshausredaktion der «NZZ am Sonntag». 2014 begann sie bei Radio SRF als Inland-Redaktorin.

Ein Stalin-Bau für die Kultur

Sarah Nowotny
Legende: Warschaus Wahrzeichen ist der Kulturpalast. Doch der Kultur war er nicht immer gewidmet, erzählt Sarah Nowotny. SRF

Ursprünglich war es ein verhasstes Geschenk der Sowjets: ein Hochhaus, ein Solitär, erbaut im Stil des Sozialistischen Klassizismus zwischen 1952 und 1955 auf Geheiss Josef Stalins. Für viele Polinnen und Polen war der Kulturpalast ein Symbol totalitärer Unterdrückung. Doch Pläne, den Bau nach der Unabhängigkeit niederzureissen, wurden verworfen. Die Warschauerinnen und Warschauer haben sich mittlerweile mit dem Bauwerk versöhnt. Heute ist es ein wertvolles Kulturdenkmal aus einer vergangenen Zeit. Im Kulturpalast gibt es Kinos, Tanzsäle, Debattierclubs, Museen und Theater. Und die Warschauer haben es verstanden, den «Palast» architektonisch ins Stadtbild zu integrieren, indem sie rundherum polnische Moderne haben entstehen lassen, aber auch Altes wiederaufgebaut haben – so dass man rund um den Palast die ganze Geschichte und damit auch die Kultur Polens auf einen Blick überschaut. Das Gebäude ist mit 231 Metern immer noch das höchste im Land.

Warschau - eine Vielvölkerstadt

Sarah Nowotny
Legende: Im Friedhofsviertel erzählt Sarah Nowotny über die wechselvolle Geschichte der Stadt. SRF

Powązki, das Viertel der Friedhöfe. Hier liegen nebeneinander der jüdische, der römisch-katholische, zwei islamische und zwei evangelische Friedhöfe, sowie ganz in der Nähe der Militärfriedhof. Diese Friedhofsstadt zeigt, wie vielfältig die Bevölkerung Warschaus einst war. Sie beherbergt zudem die Überreste wichtiger Persönlichkeiten und war während des zweiten Weltkriegs ein Réduit der polnischen Heimatarmee – unter anderem zur Versorgung des benachbarten Warschauer Ghettos. Warschau– die Stadt mit der verrückten Geschichte, die Stadt, deren Geschichte auch die Geschichte der Jüdinnen und Juden Warschaus ist.

So isst Polen, so lebt Polen.

Roman Fillinger
Legende: In den Martkhallen Hale Mirowskie spiegeln sich die kulinarischen Geschmäcker Polens, erläutert Roman Fillinger. SRF

Die Hale Mirowskie, die beiden prächtigen Markthallen, wurden um die vorletzte Jahrhundertwende gebaut und waren einst das grösste Einkaufszentrum Warschaus. Heute finden sich in der einen kleine Geschäfte, die wohl schon zur Zeit des Kommunismus so ausgesehen haben. Um die Hallen herum stehen Marktstände mit dem frischesten Gemüse und den schönsten Blumen der Stadt. In der anderen Halle reiht sich ein Verpflegungsstand an den nächsten, gibt es Käse aus aller Welt, feine Weine oder biologisch gezüchtete Forellen. Hier kaufen wohlhabende Polinnen und Polen, und treffen sich die Hipster Warschaus zum Aperitif oder zum Essen.