aktuell: Lauberhorn – Licht und Schatten am Schicksalsberg

aktuell: Lauberhorn – Licht und Schatten am Schicksalsberg

Die Lauberhorn-Abfahrt gehört zu den Höhepunkten des Ski-Weltcups. Ein riesiges Spektakel, bei dem Helden geboren werden – und bei dem es auch schon zu einem Todesfall gekommen ist.

Die Lauberhorn-Abfahrt ist legendär. Ein Mythos, der Jahr für Jahr neu inszeniert wird. In diesem Jahr mit einem Budget von 8 Millionen Franken. «Die Leute kommen nicht mehr nur wegen des Sports zu uns», sagt OK-Präsident Urs Näpflin, «heutzutage muss man mehr bieten.» Ein Rahmenprogramm und möglichst viel Spektakel – auch auf der Rennpiste, atemberaubende Sprünge und schwierige Passagen inklusive. «Aber das Spektakel darf nicht auf Kosten der Gesundheit der Fahrer gehen», so Näpflin. Sobald man sehe, dass es zu gefährlich werde, müsse das Spektakel zurückstehen.

Allen Wengenern ist das Jahr 1991 noch heute in trauriger Erinnerung. Die 20-jährige österreichische Nachwuchshoffnung Gernot Reinstadler nimmt an der Qualifikationsabfahrt teil und stürzt schwer. Der Verletzte wird umgehend ins Spital von Interlaken geflogen. Sie und ihr Mann seien vom Skifahren in den Tiroler Bergen nach Hause gekommen, als sie telefonisch vom Unfall ihres Sohnes erfahren hätten, erinnern sich Traudl Eder-Reinstadler und Adi Reinstadler im Gespräch mit «Reporter». In der Nacht sei dann ein zweiter Anruf aus der Schweiz gekommen: Gernot sei tot. Seither treffen sich die Bewohner von Jerzens, wo Gernot Reinstadler geboren wurde und aufwuchs, immer am Wochenende des Lauberhorn-Rennens zu einem Gedenkgottesdienst.

In Wengen erinnert eine Tafel an den tragischen Unfall. Als Hugo Brugnoli, der jahrelang das Cafe Mary im Zielraum der Abfahrt führte, davor steht, ist er sichtlich gerührt: «So ein junger Mensch – und dann passiert so etwas.» Brugnoli hat aber auch viel Schönes erlebt. Eine Zeit, in der Spitzensportler wie Alberto Tomba zwischen zwei Läufen vorbeikamen, mit den Fans für Fotos posierten und sich bei einem Teller Bündnerfleisch und einem «Zweierli Roten» entspannten.