Alexander Hug – radikal neutral

Alexander Hug wollte «den Krieg in die richtige Richtung drücken», den Frieden näher bringen. Der Luzerner war viereinhalb Jahre stellvertretender Leiter der OSZE Beobachtermission in der Ukraine. Sein Motto: Lösungen suchen, ohne mit dem Finger zu zeigen. Jetzt geht er – der Krieg aber bleibt.

Der 46-jährige Alexander Hug, Jurist und ehemaliger Offizier der Schweizer Armee, weiss so viel über den Konflikt in der Ostukraine zu erzählen, wie kaum jemand. Er hatte jahrelang engen Kontakt zu den höchsten politischen Entscheidungsträgern und mit den Kriegsparteien auf beiden Seiten der Front. Auf der einen Seite die ukrainischen Regierungstruppen, auf der anderen lokale ukrainische Separatisten, vor allem aber russische Söldner und russische Truppen – was der Kreml allerdings bestreitet. Es ist ein Konflikt mit geopolitischem Hintergrund: Russland will die Ukraine nicht gegen Westen – in die EU und in die NATO – ziehen lassen. Der Westen toleriert die russische Einmischung nicht und hat Moskau mit Wirtschafts-Sanktionen eingedeckt.

Alexander Hug und seine rund 700 Beobachter der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, sammeln und publizieren täglich eine grosse Menge Informationen: Wer verletzt wann und wo das Waffenstillstandsabkommen, das 2015 in der weissrussischen Hauptstadt Minsk unterzeichnet worden war? Aber Chef-Beobachter Hug und seine Leute benennen keine konkreten Schuldigen. Für Hug gilt: absolute Neutralität. In diesem, auch von der Propaganda sehr aufgeheizten Klima kann ein falsches Wort vieles gefährden.

Der ehemalige Russland-Korrespondent Christof Franzen hat Alexander Hug in den letzten Jahren mehrmals an der ukrainischen Front getroffen und ihn für «Reporter» auf der Abschiedsmission begleitet. Ins Konflikt-Gebiet, wo in den letzten Jahren insgesamt über 10'000 Menschen ums Leben kamen und Hunderttausende ihr Heim verlassen mussten. Ein Versuch, zu verstehen wie es sich lebt, wenn man radikal neutral sein muss.

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