Mao, Xifan und Opa Peng

Mao hat ihn um seine Jugend betrogen, seine Kinder musste er während der grossen Hungersnot mit Ratten füttern. Trotzdem hat Peng Fangcong den Glauben an die kommunistische Partei nie verloren. Seine Enkelin ist in Deutschland aufgewachsen und kommt jetzt als junge Frau zurück nach China.

Als ihre Eltern nach Deutschland zogen, kam Xifan Yang gerade in den Kindergarten. Zuvor verbrachte sie ihre ersten Lebensjahre im tiefen chinesischen Hinterland, in Pingxiang, einer Stadt, die ausser ihren Kohlegruben nur noch ein Highlight zu bieten hatte: Eine landesweit bekannte Statue des grossen Vorsitzenden Mao Zedong. Über 20 Jahre später kommt sie zurück und sucht mit Peng Fangcong, den sie liebevoll «Opa Peng» nennt, nach den Wurzeln ihrer Familie. Sie stolpert dabei immer wieder über die Irrungen und Wirrungen von Chinas jüngster Geschichte.

Pingxiang ist jetzt eine moderne chinesische Kleinstadt. Hochhäuser ragen in den smoggrauen Himmel, «Opa Peng» hat sein ganzes Leben hier verbracht. Als junger Intellektueller wurde er von Maos Rotgardisten verfolgt. Über 20 Jahre lang musste er in der Verbannung auf dem Berg der Tausend Drachen Zwangsarbeit leisten, weil er als junger Journalist kritische Artikel über die Politik Maos geschrieben hatte.

Für Xifan ist der 84-jährige Grossvater mit seinem unbeugsamen Willen bis heute ein Vorbild. Auch sie wurde Journalistin und auch sie schreibt kritisch über China. Der grosse Unterschied zu ihrem Grossvater ist jedoch, dass sie heute einen Deutschen Pass besitzt und für eine Deutsche Zeitung arbeitet. SRF-China-Korrespondent Pascal Nufer begleitet die Journalistin für «Reporter» auf ihrer Reise von Shanghai nach Pingxiang – eine Reise, die auch ihn China neu entdecken lässt.