Unser Aeschbi

Fast 40 Jahre lang stand er vor der Kamera und schrieb mit seinen Sendungen «grell-pastell»,«Casa Nostra» und «Aeschbacher» Fernsehgeschichte. Am 30. Dezember präsentiert Kurt Aeschbacher seine finale Sendung. «Reporter» begleitet die Fernsehlegende zu seinen letzten Auftritten als Fernsehmoderator.

Man könnte denken, seine grosse Routine hätte ihm mehr Gelassenheit gebracht. Doch das Gegenteil ist der Fall: Nach fast 40 Jahren vor der Kamera wird Kurt Aeschbachers Lampenfieber mit jedem Auftritt nur noch schlimmer. Denn «Aeschbi» ist Perfektionist. Er hasst es, Leute zu enttäuschen: «Die Studiocrew, mein Team, meine Gäste – alle geben ihr Bestes, da will ich nicht ‘lauern’.» Aeschbacher ist es gewohnt, dass man ihm Eitelkeit und «Rotlichtgeilheit» vorwirft. Dabei sei die Kamera nur Mittel zum Zweck, um die Informationen, die er seinen Gästen entlocke, in die Stuben der Zuschauer zu transportieren: «Ich liebe es, in die Seelen anderer Menschen zu blicken. Weil ich nun mal kein Psychiater bin, ist eine Fernsehsendung das ideale Mittel dazu.»

Kurt Aeschbacher war neben seiner Moderatorentätigkeit beim Schweizer Radio und Fernsehen auch immer Unternehmer. Voll auf die «Karte Fernsehen» zu setzen, war nicht Sache des Betriebswirtschafters. Er liebe das Risiko des Unternehmertums. Heute ist Aeschbacher Herausgeber einer Zeitschrift und Inhaber eines Fitnessstudios. Seine Sendungen moderiert er ohne Netz und doppelten Boden. Ein direkter Draht in die Regie, Karteikarten oder Teleprompter würden ihn ablenken und verhindern, sich voll und ganz auf seine Gäste einzulassen. So hält er es auch bei seinen Moderationen ausserhalb der Fernsehstudios. Reporterin Helen Arnet begleitet ihn mit der Kamera zur jährlichen Modeschau des Luzerner Modelabels «LU Couture», die «Aeschbi» just an seinem 70. Geburtstag moderiert, weil sich in seiner Agenda sonst kein freier Abend mehr finden liess.

Seine Karriere startete er 1981 als Redaktor und späterer Moderator der Sendung «Karussell»: «Ich durfte Fehler machen, diese über Nacht vergessen und am nächsten Tag wieder neu beginnen, ohne mir je Vorwürfe anhören zu müssen», sagt Kurt Aeschbacher, der gerne an seine ersten Schritte vor der Kamera zurückdenkt. Nur wenige Jahre später erhielt Aeschbacher mit «grell-pastell» seine erste eigene Sendung, mit der er regelmässig für Gesprächsstoff und Beschwerden sorgte: «Es war immer meine Überzeugung, dass Unterhaltung mehr sein soll, als oberflächliches Amusement.» So bezeichnete 1988 die Theologin Uta Ranke-Heinemann den Papst wegen seines Kondomverbots als «Mörder». Das Bundesgericht beurteilte diese Aussage als Konzessionsverletzung.