«Alpefisch» von Andreas Neeser, Teil 1

Ein Roman in Aargauer Mundart als Schnabelweid Sommerlesung. Es liest der Autor Andreas Neeser, mit Musik von Belia Winnewisser.

Bildlegende: Colourbox

Der angehende Sonderpädagoge Chrigel Brunner und die Jus-Studentin Katrin lernen sich in der Universitätsbibliothek kennen und verlieben sich zaghaft ineinander. Beide tragen schon in ihrem jungen Alter einen schweren Rucksack voller Probleme mit sich herum. Traumatisiert durch sexuelle Gewalt und den plötzlichen Verlust des Bruders, panzern sie ihre seelischen Wunden mit Aggressivität, handeln sie irrational, schlagen sie Haken und Volten. Ihre Beziehung entwickelt sich zu einer ausweglosen Verstrickung aus Anziehung, Abhängigkeit und Abstossung. Es scheint, als könnten sie weder miteinander noch ohne einander leben. Bis Chrigel die Reissleine zieht. Mit einer präzisen und bildstarken Sprache, in der Mundart des Aargauer Ruedertals, blickt Andreas Neeser eindrücklich tief und mitreissend in die Innenwelten dieser beiden Versehrten.

Teil 1
Brunner brütet. An seinem Küchentisch kippt er Tunesierwein in sich hinein und versucht zu begreifen, wo er und Katrin in ihrer Beziehung gelandet sind. Auf einer Autofahrt hatten sie sich zerstritten über irgendwas. Am Ende schickte sie ihn zum Teufel und verbunkerte sich im Haus ihres Vaters. Schliesslich schrieb sie ihm die kryptischen Worte: «Es het mi no. K.». Jetzt brütet Brunner. Er hört die Geräusche im Haus und hat Visionen. Von Katrin. Vom schrecklichen Unfall vor sieben Jahren, als sein Bruder auf der Strasse vor seinen Augen starb. Und von Grace, einer verflossenen Liebe in London, zu der es ihn plötzlich wieder zieht.

Buchtipp

  • Andreas Neeser: Alpefisch. Zytglogge Verlag 2020

Moderation: Regi Sager, Redaktion: Zita Bernet, Markus Gasser