Beat Sterchi und seine Literatur aus «Sprachmüll»

Fetzen der Alltagssprache, wiederholt in einer Endlosschlaufe, prägen die Spoken-Word-Texte des Berner Schriftstellers Beat Sterchi auch in seiner neusten Sammlung von Sprechtexten.

Beat Sterchi
Bildlegende: Beat Sterchi Alexander Egger
Er nennt diese Texte «Mantras». Live auf der Bühne performt, von einem Instrument begleitet, lösen sich diese Sprachfragmente aus ihrer Bedeutung heraus und entwickeln im besten Fall einen meditativen, rhythmisch-musikalischen Sog. Er spüre, wie viel es in der gegebenen Situation verträgt, manchmal kann das drei Minuten lang sein. Drei Minuten «u no einisch nach Bali, u no einisch nach New York, u no einisch nach Thailand, u no einisch nach Schanghai, u no einisch nach Mallorca». Das ist nicht neu, aber immer noch radikal. Das muss man erst mal aushalten.
 
«u no einisch»
Aber die Mantras sind nur ein Typ von Sterchis Sprechtexten. Wenn er im Zug sitze und gezwungen sei, lauthals geführte Telefongespräche anzuhören, dann schreibe er zuweilen einfach mit. «Hallo hallo! Ig bis, d Nadia. Bisch du no da? Ig bi im Zug, ja ja! Im Zug, ja ja, Nadia.» «Sprachmüll» nennen das die Kritiker, auch die begeisterten. Sie meinen damit die vielen Redundanzen und Wiederholungen, das Unnötige und Ewiggleiche in unserer Alltagskommunikation. Sterchi schnappt es auf, spitzt es weiter zu und macht es durch spielerisch einfache Reime leichter geniessbar, wie er sagt. 
 
Buchtipps
  • Beat Sterchi: «u no einisch». Sprechtexte. Der gesunde Menschenversand 2016
  • Beat Sterchi: «Ging Gang Gäng». Sprechtexte. Der gesunde Menschenversand 2010

Moderation: Adrian Küpfer, Redaktion: Markus Gasser