Dialäkt Äpp, Alemannisches Liederbuch und CD «Basel»

Das «Schnabelweid»-Magazin vom April stellt drei Neuheiten vor: die an der Universität Zürich entwickelte «Dialäkt Äpp», die neue CD «Basel» des Zürcher Sängers René Fisch und das «Alemannische Liederbuch» der süddeutschen Musikpädagogen Uli Führe und Stefan Pflaum.

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Das Schweizer Lieblingshobby als App
Wenn Deutschschweizer sich zum ersten Mal begegnen, haben sie zumindest ein Gesprächsthema auf sicher, nämlich ihren Dialekt. Diese Liebe zum Schweizerdeutschen erklärt, warum das «Chochichäschtli-Orakel» von Dominik Heeb, seit es 1998 aufgeschaltet wurde, bis dato weit über eine Million Besucherinnen und Besucher hatte (dialects.from.ch). Mithilfe der Ausspracheangabe von ein paar wenigen Wörtern errechnet dieses «Orakel», aus welchem Dorf man stammt mit erstaunlicher Genauigkeit. Phonetiker und Dialektologen der Universität Zürich haben nun diese Idee verfeinert und als App für Smart-Phones programmiert: Die «Dialäkt Äpp» erkennt anhand von 16 lautlichen Merkmalen, woher jemand kommt. Weil aber die Sprachdaten, auf welchen diese Berechnung basiert, langsam veralten, können die Nutzer der App ihre eigene Aussprache, so sie denn von der angegebenen abweicht, aufnehmen. So helfen die Nutzerinnen und Nutzer der App mit bei der Erforschung der heutigen Dialekte in der Schweiz.
 
Liebeslied auf Basel
Auf Zürichdeutsch Basel besingen - das ist bemerkenswert. René Fisch wagt dies auf seiner CD, der er auch gleich den Namen «Basel» gibt. Fisch, die eine Hälfte des ehemaligen Duos Fischhohl, ist ein Zugewanderter, dem die Stadt am Rhein zur Heimat wurde. Allerdings besingt er nicht das beschauliche «ZBasel an mym Rhy» aus dem «Basler Lied», sondern das Basel der Jugendbewegungen, der Rock-Beiz Atlantis und der Absturzbars.
 
Dabei atmen sämtliche 13 Songs dieser CD eine Melancholie und Ruhe, die wohl dem fortgeschrittenen Alter des Musikers geschuldet sind. Eine eigenwillige Produktion: Fisch singt in einem unterschwelligen, hauchigen Bass, nicht so rauh wie Nick Cave, aber unverkennbar ähnlich und so karg wie der späte Johnny Cash. Den einzelnen Songs gibt er je eigene Nuancen: In «Basel» lamentierend, zuckersüss im Liebesduett «Gäll du» zusammen mit Vera Kaa, fast experimentell instrumentiert im Schimpfsong «Muesch nöd motze». Kein Hintergrundsgedudel.

Alemannisches Liedgut
Uli Führe und Stefan Pflaum, ein Musikpädagoge und ein Sprachpädagoge aus dem Badischen, schreiben und singen seit Jahren in alemannischer Mundart. Nun haben sie gemeinsam «Ein grenzüberschreitendes alemannisches Liederbuch», wie im Untertitel steht, herausgegeben: «Woni sing und stand» heisst es und vereint traditionelles und jüngeres Liedgut aus der Schweiz, dem Elsass, aus Südwestdeutschland und dem Vorarlberg - aus dem gesamten alemannischen Raum also. Der Bogen wird von alten Volksliedern - im Badischen sind das zum Beispiel Vertonungen von Gedichten Johann Peter Hebels, in der Schweiz Lieder aus Otto von Greyerz' Sammlung «Röseligarte» - zu Liedermachern aus den vergangenen Jahrzehnten geschlagen. Zu den Texten sind sämtliche Noten und Akkorde angegeben und viele nützliche Informationen zum Dialekt und zum Liedgut aus dem gesamten alemannischen Sprachraum.

Buchtipp
«Woni sing und stand. Ein grenzüberschreitendes alemannisches Liederbuch» von Uli Führe und Stefan Pflaum. G. Braun, Karlsruhe 2012

CD-Tipp

«Basel» von René Fisch. Tudor Recordings 2013

Web-Tipp
«Dialäkt Äpp» im Apple App Store

Moderation: Stefan Siegenthaler, Redaktion: Markus Gasser und Christian Schmutz