Guy Krneta «Unger üs». Schnabelweid Sommerlesung 5

Ein junger Mann blättert im Familienalbum und erinnert sich: Wie die Mutter von Isabel telefoniert, dass es ein Bube sei. Wie er nach Lima fliegt, und einen Vaterschaftstest macht. Wie der Grossvater stirbt, der Bundespräsident zur Beerdigung kommt und am Grab vergeblich auf das Fernsehen wartet.

Kirchenturm mit Glocke in Südamerika
Bildlegende: Kirchenturm mit Glocke in Südamerika colourbox

«Unger üs» ist ein Spoken-Word-Roman in Mundart des Berner Autors Guy Krneta. Es ist ein Gesellschaftsroman aus der Schweiz der 80er Jahre und er trägt den Untertitel «Familienalbum».

In satirischen, aber auch sehr bewegenden Szenen schildert Krneta Momentaufnahmen aus der Geschichte einer Schweizer Familie. Vom Grossvater, einem liebenswerten Polteri. Vom «Unggle Sämi», der das Bratwurtsjoghurt erfunden haben will und den pubertierenden Erzähler ins Puff einlädt. Von der Cousine Vivienne, die 11 Sprachen spricht, dafür kein Gefühl mehr für ihre Heimat hat. Und natürlich vom jugendlichen Erzähler selber, der als Militärdienstverweigerer im Gefängnis sitzt.

«Unger üs» lesen oder hören ist ein bisschen wie in einem Fotoalbum blättern. Man merkt den Texten an, dass sie für die Bühnenperformance verfasst worden sind: Sie sind auf Klangwirkung hin geschrieben, mit viel Rhythmus und Witz. Dazu klingen Gitarre und Ukulele, gespielt vom feinsinnigen Musiker Balts Nill.

Redaktion: Buschi Luginbühl, Markus Gasser