R-Laute variieren und prägen Schweizerdeutsch

Ob man den Laut R an der Zungenspitze rollt oder hinten im Gaumen flattern lässt, hat auf die Wortbedeutungen keinen Einfluss. Und trotzdem: Lokale und regionale R-Aussprachen fallen auf und werden emotional diskutiert. Der Status des einst verpönten Halszäpfchen-Rs verändert sich.

Sprachwissenschaftler Adrian Leemann
Bildlegende: Sprachwissenschaftler Adrian Leemann Universität Bern/ Vera Knoepfel

Im europäischen Vergleich ist das Zungenspitzen-R historisch viel häufiger als das Halszäpfchen-R. Auch in den Anfängen des Bühnendeutschen (Germanist Theodor Siebs: «eine edle und darum sehr rein gesprochene Sprache») im 19. Jahrhundert wurde noch das rollende Zungenspitzen-R propagiert. Gerolltes bRaucht sangen auch die Comedian Harmonists. Erst im Lauf des 20. Jahrhunderts rückte das standarddeutsche R immer mehr in den Hals – nach Pariser Vorbild.

Ein «falsches» R fällt sogleich auf

Ein Forscherteam aus Zürich und Bern hat die Entwicklung in der Deutschschweiz und verschiedenen r-Realisierungen bei den Zuhörenden untersucht. Steckt hier die Abneigung gegen Thurgauerdeutsch oder ist das nur ein weiteres Vorurteil? Die Situation im deutschen Sprachraum ist besonders interessant, aber es lohnt sich auch ein Blick in den englisch-, italienisch- und französischsprachigen Raum. Überall fällt man mit einem «falschen» R sogleich auf.
Für den Sprachwissenschaftler Adrian Leemann und sein Team ist der Laut R ein lohnendes Forschungsobjekt. Und für die Schnabelweid als Thema erst recht: Der Status des einst verpönten Halszäpfchen-R scheint sich zu verschieben.

Neubearbeitung Sprachatlas der deutschen Schweiz

Ein anderes Forscherteam um Adrian Leemann hat an der Universität Bern eine Neubearbeitung des Sprachatlas der deutschen Schweiz angepackt. Sie wollen in 125 Orten Befragungen machen und diese den Angaben aus den 1940er- und 50er-Jahren gegenüberstellen. Ein mutiges Projekt, das aktuell Mundartsprecherinnen und -sprecher aus der ganzen Deutschschweiz sucht.

Moderation: Marietta Tomaschett, Redaktion: Christian Schmutz