Schweizerdeutsch in Bessarabien

Im frühen 19. Jahrhundert wanderten Romands, Deutschschweizer und Süddeutsche ans Schwarze Meer aus, ins damalige russische Reich. So auch Martin Stohler aus Pratteln mit seiner ganzen, vielköpfigen Familie, die sich im Dorf Schabo, einer Schweizer Kolonie, niederliess.

Gedenkstein für den Schweizer Friedhof in Schabo
Bildlegende: Gedenkstein für den Schweizer Friedhof in Schabo Martin Putz/wikimedia

Elvira Wolf-Stohler ist als direkte Nachfahrin dieses Pioniers 1920 in Schabo geboren und aufgewachsen. Erst im Zweiten Weltkrieg floh die Familie und gelangte nach vielen Irrwegen und Hindernissen in die Schweiz zurück.

Heute lebt die 93-Jährige im Altersheim in Pratteln und erinnert sich daran, wie das Leben und die Sprache in Schabo waren, als sei sie erst gestern von dort gekommen.

«Neuschwäbisch» - ein verschwundener Dialekt

Elvira Wolf-Stohler hat früher auch Gedichte und Geschichten im Schabner Dialekt geschrieben, einem Mischdialekt aus Baselbieterdeutsch, Schwäbisch, Russisch, Jiddisch und Rumänisch, den Sprachforscher schon als «Neuschwäbisch» bezeichnet haben. Sie ist die letzte aus der damaligen Schweizer Kolonie, die noch lebt und begeistert Auskunft gibt über diese verschwundene Welt.

Bücher

Elvira Wolf-Stohler «Akazienblüten. Gedichte vom Schwarzmeerstrand» Veröffentlichungen des Vereins zur Förderung des Schriftums der Deutschen aus Bessarabien, 1972 (vergriffen)

Elvira Wolf-Stohler und Alfred Herrmann «Abendduft - Forsythien. So war es gestern - so ist es heute» Gedichte und Prosa. Schriften des Heimatmuseums der Deutschen aus Bessarabien, 2006 (vergriffen)

Markus Ramseier «Schabo - Bessarabien retour. Erinnerungen einer Auslandschweizerin», in: Jahrbuch der Deutschen aus Bessarabien. Heimatkalender 2014, 65. Jahrgang, hrsg. von Arnulf Baumann und Cornelia Schlarb, Hannover 2013, S. 74-84 (ISBN-Nr. 978-3-935027-18-2)

Moderation: Stefan Siegenthaler, Redaktion: Markus Gasser