Sommerlesung: «Näschtwermi» (1/4)

Lina sitzt in der Stube und sinniert über ihren Mann Edi, der wie immer im Wirtshaus sitzt. Sie denkt auch viel an ihren Nachbarn Otti, den sie gern hat, respektive hatte, denn Otti ist vor einem Jahr an Lungenkrebs gestorben.

Und nun fürchtet sie, Edis immer häufigere Hustenanfälle könnten ein Zeichen dafür sein, dass er ebenfalls an Krebs erkrankt ist. 

Gedankenwelten

Mit Hustenanfällen hatte es nämlich auch bei Otti angefangen und der hat seinen Krebs sicher vom Stumpenrauchen bekommen. Edi raucht trotzdem weiter wie bisher, zwei Päckli im Tag. Aber zum Doktor will er «ums Verrecken» nicht.

Fernsehen mag Lina heute nicht, sie spielt lieber ein bisschen mit Miggi, der zugelaufenen jungen Katze, und hängt ihren Gedanken nach: dass sie den Winter durch zu wenig Bewegung hat, aber dass man sie trotzdem nicht ins Altersturnen bringen würde, genauso wenig wie Edi zum Arzt; dass Edi eigentlich ein Egoist ist; dass sie Edi nie aus dem Wirtshaus holen könnte, wie dies andere Frauen machen, denn Edi hat ihr gedroht, sie hole ihn nur einmal; dass sie wieder mal Liseli anrufen könnte, die seit zwanzig Jahren ihre invalide Schwester pflegt, dafür auf Mann und Kinder verzichtet hat, sich aber immerhin jedes Jahr eine grosse Reise gönnt. Sie verpulvere ihr Geld selber, meint Liseli, bei ihr gäbe es keine lachenden Erben. Liseli kann froh sein, dass sie nie Eheprobleme hatte, denkt Lina.

«Näschtwermi»: Die Geschichte im Überblick

Autor/in: Ernst Burren, Redaktion: Buschi Luginbühl