Sommerlesung: «Näschtwermi» (3/4)

Lina denkt an die letzten Wochen mit Otti. Als er ins Sanatorium musste, ist es ihm richtig schlecht gegangen. Er, der zeitlebens nie vom Hof fortgekommen ist, musste plötzlich weg.

Beim Autor Ernst Burren im Garten. Seine Figur Otti hat ein Leben lang den Hof nicht verlassen.
Bildlegende: Beim Autor Ernst Burren im Garten. Seine Figur Otti hat ein Leben lang den Hof nicht verlassen. SRF

Über das Balkongeländer wollte er manchmal springen oder sich mit Schlaftabletten umbringen. Sein Bettnachbar Utiger erinnerte Lina an Godi, der schon seit Jahren mit Edi zusammen in der Wirtschaft hockt. Er sei ja mehr beim Godi als bei ihr, hat Lina Edi einmal vorgeworfen. Aber Edi lässt nichts auf seinen Kumpel kommen.

Getrennte Betten ...

Immerhin muss Lina nicht mehr Edis Alkoholfahne ertragen, denn schon seit 15 Jahren haben sie ihre eigenen Schlafzimmer. Edi hatte nichts dagegen gehabt. Jetzt kann er Nachts heimkommen, wann er will.

Ich bin einfach zu jung gewesen, als ich geheiratet habe, geht es ihr durch den Kopf. Die Mutter hatte es ihr gesagt: Wenn zwei zusammenleben wollen, müssen sie für das Gleiche Sinn und Geist haben. Aber die Dreissigerjahre waren schlechte Zeiten, ledig zu bleiben.

... und Geheimnisse.

Was sie Edi nie vergisst, ist das «Gschleick», das er mit der Wittwe Ida Merz hatte. Die Leute im Dorf wussten es längst. Irgendwann hat auch sie vernommen, wohin so viel Geld geflossen ist. Wenn Sie nicht bei Otti gearbeitet hätte, wären sie nicht über die Runden gekommen. Sie selber hat sich nicht versündigt. Nur den sterbenden Otti hat sie gestreichelt, obwohl: In Gedanken war sie manche Nacht bei ihm. Und wo ist diese Ida jetzt, da es Edi bald schlecht gehen wird? Ida soll ihn doch pflegen!

«Näschtwermi»: Die Geschichte im Überblick

Autor/in: Ernst Burren, Redaktion: Buschi Luginbühl