«Unger üs», ein literarisches Familienalbum von Guy Krneta

«Unger üs» ist streng genommen eine Folge von Einzelszenen und Einzelgeschichten, erlebt von verschiedenen Personen aus der gleichen Familie. Darum der Untertitel «Familienalbum».

Guy Krneta
Bildlegende: Guy Krneta Dominique Uldry

Wir erleben dieselben Personen immer wieder in neuen Situationen, über das Dazwischen erfahren wir nichts. Genau so, als würde man in einem Familienalbum blättern.

Vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs

Das Ganze spielt in der Schweiz der 70er und 80er Jahre. Da ist der Ich-Erzähler, der als braver Bürgersohn mit Verbrechern zusammen im Gefängnis sitzt, weil er den Militärdienst verweigert hat. Er erzählt von seinem Grossvater, der plötzlich sein Chalet in Grindelwald nicht mehr findet, von seiner Cousine Vivienne, die 11 Sprachen redet und nicht weiss, wo sie sprachlich überhaupt zuhause ist, und immer wieder von seinem Onkel Sämi, dem früh verstorbenen Querschläger der Familie, dem er reihenweise abstruse Geschichten sowie die sexuelle Aufklärung verdankt.

Unglückliche Liebe

Verbunden sind diese Einzelsequenzen durch einen roten Faden: Die unglückliche Liebesgeschichte des Erzählers mit der Peruanerin Isabel. Er will sie heiraten, sie traut seiner Liebe aber nicht und reist zurück nach Peru.

Nominiert für den Schweizer Literaturpreis

«Unger üs» ist als eines von fünf Büchern für den Schweizer Literaturpreis nominiert. Zu recht, denn das Buch ist ein Feuerwerk von Ideen, lebt von erzählerischem Witz und von einem sehr eigenen, aber gut lesbaren Berndeutsch.

 

Buchtipp

Guy Krneta: Unger üs. Edition Spoken Script. Verlag Der gesunde Menschenversand. 2014

Moderation: Stefan Siegenthaler, Redaktion: Markus Gasser