«zittrigi fäkke» - Gedichte in Obwaldner Mundart

Der bekannte Schweizer Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart blickt in rund 90 Gedichten mit der Distanz eines halben Lebens auf die Sprache und die Menschen im Kanton Obwalden, wo er seine Kindheit verbracht hat.

Hanspeter Müller-Drossaart
Bildlegende: Hanspeter Müller-Drossaart SRF

In kurzen, präzisen Sprachbildern zeichnet der Autor aus der Innenperspektive einen Menschenschlag, der den Zumutungen des Lebens nicht stumm, aber mit der Wortkargheit des Berglers begegnet. Das träfe Wort gilt, komme es polternd oder scheu daher, gewitzt oder aus tiefer Existenznot heraus.

Wenige Worte führen zu existentiellen Fragen
Die Beschränkung auf wenige Worte - das ist keine exklusive Eigenschaft der Obwaldnerinnen und Obwaldner. Aber bei ihnen kann man sie besonders gut beobachten. Und stösst lesend über das Einfache, Treffende zu den eigenen existentiellen Fragen vor, die zugleich die universellen Fragen des Menschseins sind. Etwa die Frage nach dem «Warum», nach dem «Sinn» und dem «Wie weiter», wenn die eigene kleine Welt zusammengebrochen ist. Hanspeter Müller-Drossaart begegnet den Abgründen mit einer verschmitzten Heiterkeit, mit Bauernschläue und befreiendem Wortwitz.

«fäkke» sind Flügel
Der Titel «zittrigi fäkke» enthält den Gegensatz von hart und zart: Das Wort «fäkke», mit scharfem «f», wegwerfendem «ä» und doppeltem «k», klingt wie ein Prügel - bedeutet aber «Flügel», den Inbegriff des Leichten und Zerbrechlichen. «zittrigi fäkke» ist ein Bild für die Flüchtigkeit der Gedanken. Welch sanfte Botschaft in harter Wortschale!

Buchtipp

  • Hanspeter Müller-Drossaart: «zittrigi fäkke». Gedichte in Obwaldner Mundart. Verlag bildfluss, 2015.

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Moderation: Regi Sager, Redaktion: Markus Gasser