Al canto del cucù – Wenn der Kuckuck ruft

Ein Marronibrater aus Zürich und seine drei Freunde ziehen ins Tessin, um ein verlassenes Dörfchen wieder aufzubauen. Dafür werden sie an der Erbschaft eines amerikanischen Millionärs beteiligt – glauben sie. Schweizer Film des Baslers August Kern mit Ettore Cella in der Hauptrolle.

Carlo Corda (Ettore Cella) lebt als junger Marronibrater in Zürich und ist genauso mittellos wie seine Freunde, der Mechaniker Emil Dietschi (Fredy Lucca), der Kunstmaler Jean Pérrin (Jean Fleury) und der Kaufmann Max Witzig (Will Roettges). Seine ganze Hoffnung setzt er auf einen millionenschweren Erbonkel in San Francisco, denn Carlo ist fest davon überzeugt, ausser diesem der einzige noch lebende Corda zu sein.

Dennoch ist er freudig überrascht, als ihn ein Brief aus seinem Heimatdorf Monti di Conca erreicht. Aus dem Erbe des Onkels soll Carlo 20 000 Dollar bekommen, dazu jeder freiwillige Helfer ebenfalls 5000. Die Bedingung dafür: Zwei Jahre müssen sie im Heimatdorf der Cordas leben und die Gemeinde, die am Zerfallen ist, wieder in Schwung bringen.

Entgangenes Erbe

Das Quartett macht sich umgehend auf und startet in Conca im Kriegsjahr 1941 eine Anbauschlacht. Felder werden bebaut, Bewässerungskanäle eingerichtet, die Ziegenhirtin Celestina (Lillian Herman) als Haushaltshilfe gewonnen. Getrübt wird die ländliche Idylle nur durch Cesare Corda (Fritz Bantli), einen zugewanderten Weltenbummler und Faulenzer, der sich ebenfalls als legitimer Erbe ausgibt.

Tatsächlich erweist sich in der Folge, dass Cesare im Recht ist und Carlo einem Irrtum unterlag. Doch die vier draufgängerischen Zuzügler lassen sich auch durch das entgangene Erbe den Schwung nicht nehmen. Und Celestina, die sich zu einer höchst adretten Haushaltshilfe gewandelt hat, sorgt in der ungewöhnlichen Kommune gar für ein veritables Happy End.

Kleines Budget und Arbeitskollektiv

1941 war ein Jahr des Durchbruchs für den jungen Theatermann und Schauspieler Ettore Cella. Mit 28 Jahren bekam er gleich zwei gewichtige Rollen in Schweizer Spielfilmen – in sehr unterschiedlichen allerdings. In Jacques Feyders kunstvollem Werk «Une femme disparaît» verkörperte er einen Schiffer, dessen Frau nach einem gewaltigen Ehekrach spurlos verschwindet.

Im eher komödiantischen Heimatfilm «Al canto del cucù» ist er der vermeintliche Erbe eines ausgewanderten Millionärs. Initiiert und inszeniert wurde «Wenn der Kuckuck ruft» (so der deutsche Zusatztitel) von August Kern, hergestellt mit sehr kleinem Budget von einem Arbeitskollektiv schweizerischer Filmschaffender.

Einspruch aus dem Tessin

Für die Dreharbeiten kam man ohne Filmstudio aus, nutzte die natürlichen Dekors und oft die freie Landschaft, vorwiegend in Locarno, Ascona, Mergoscia und im Maggiatal. Dennoch erhob die Vereinigung Pro Ticino nach der Premiere Einspruch, weil sie in dem eigenwilligen Schweizerfilm kantonale Eigenart verunstaltet sah. Dabei hatten sich die beiden Autoren, der Regisseur Kern und der Tessiner Literat und Kunstkritiker Virgilio Gilardoni, ganz andere Ziele gesetzt.

Sie strebten eine Mischung aus Dokumentarbericht und einfachem Volksstück an, in der man auch die schöne Tessiner Landschaft wirkungsvoll ins Bild rücken konnte. Und am Rande wollten sie – es war Krieg und Bundesrat Wahlen propagierte die Anbauschlacht – an die vielen Äcker und Felder erinnern, die in stark entvölkerten Dörfern einfach brachlagen. Schweizer Radio und Fernsehen SRF zeigt «Al canto del cucù» in der restaurierten HD-Fassung.